Heute ist ein historischer Tag – und kein guter. Am 30. Juni 2026 ist in der Schweiz Gletscherschwundtag. Das bedeutet: Die Winterreserven der Gletscher sind aufgebraucht. Ab sofort verliert jeder Liter Schmelzwasser direkt an der Substanz des Eises. Nur einmal in der Geschichte war dieser Tag früher.
Das Wichtigste in Kürze
- Heute, 30. Juni 2026, ist offiziell Gletscherschwundtag in der Schweiz
- Nur 2022 war dieser Tag noch früher – am 26. Juni
- Der schneearme Winter und die frühe Hitzewelle sind die Hauptursachen
- Aktuell schmelzen die Gletscher doppelt so schnell wie im Durchschnitt 2010–2020
- ETH-Forscher warnt: «Wir verlieren in diesem Jahr mit Sicherheit sehr viel Eis»
- Alle 6 Sekunden füllt das Schmelzwasser ein olympisches Schwimmbecken
Was ist der Gletscherschwundtag?
Der Schweizer Gletscherschwundtag bezeichnet jenen Tag im Jahr, an dem die Schweizer Gletscher ihre Winterreserven vollständig verbraucht haben. Was das konkret bedeutet: Der Schnee, der über den Winter auf den Gletschern gefallen ist und sie schützen sollte, ist weggetaut. Ab heute geht es ans alte Eis – an die eigentliche Substanz der Gletscher, die sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte aufgebaut hat.
Jeder weitere heisse Tag, jeder Liter Schmelzwasser von hier an führt zu einem direkten, irreversiblen Verlust an Eisvolumen.
Warum ist es 2026 so früh?
Mehrere Faktoren haben dazu geführt, dass der Gletscherschwundtag 2026 bereits Ende Juni erreicht wird:
1. Schneearmer Winter 2025/26 Landesweit lag Anfang Mai ein Viertel weniger Schnee auf den Gletschern als üblicherweise Ende des Winters. So dünn war die Schutzschicht noch nie – die Gletscher starteten mit minimalen Reserven in den Sommer.
2. Saharastaub im März Im März wehte Saharastaub in die Schweiz und legte sich auf die Schneedecke. Dunkle Oberflächen absorbieren mehr Sonnenwärme – die Schmelze begann früher und intensiver.
3. Frühe Hitzewellen im Mai Bereits im Mai gab es erste Hitzewellen mit über 30 Grad im Flachland – ungewöhnlich früh für die Jahreszeit.
4. Aktuelle Rekord-Hitzewelle Die aktuelle Hitzeperiode ist laut Experten in Bezug auf Intensität und Dauer aussergewöhnlich. Basel-Binningen mass am Samstag 39 Grad – neuer Allzeit-Junirekord.
Was sagen die Experten?
ETH-Glaziologe Matthias Huss, Leiter des Schweizer Gletschermessnetzes GLAMOS, ist klar: «Es ist jetzt schon klar, dass die Gletscher wiederum massiv an Eis verlieren. Wie viel, das sehen wir erst nach Abschluss der Messungen.»
Und weiter: «Alle warmen Temperaturen, die wir im Juli und August sehen werden, führen direkt zu langfristigem Gletscherverlust. Wir verlieren in diesem Jahr mit Sicherheit sehr viel Eis.»
Die Bilanz für das Gletscherjahr 2026 wird voraussichtlich Anfang Oktober bekanntgegeben. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2022 gingen schweizweit innerhalb eines einzigen Jahres sechs Prozent der gesamten Gletschermasse verloren.
Ein erschreckendes Bild in Zahlen
Zwischen den Extremjahren 2003 und 2022 verschwanden 200 Quadratkilometer Eis – eine Fläche fast so gross wie der gesamte Kanton Zug. Spurlos. Unwiederbringlich.
Aktuell schmelzen die Schweizer Gletscher doppelt so schnell wie im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2020. Und das Schmelzwasser: Derzeit fliesst so viel davon von den Schweizer Gletschern ab, dass damit alle sechs Sekunden ein olympisches Schwimmbecken gefüllt werden könnte.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Gletscher sind kein nationales Symbol – sie sind lebensnotwendig. Sie regulieren den Wasserhaushalt, speichern Frischwasser für Trockenperioden und speisen Flüsse wie Aare, Rhone und Rhein.
Experten warnen: Wenn die Schmelze im bisherigen Tempo weitergeht, könnten die meisten Schweizer Gletscher bis 2100 vollständig verschwunden sein. Manche gehen davon aus, dass dieses Szenario schon deutlich früher eintreten könnte.
Fazit: Ein Weckruf aus den Alpen
Der Gletscherschwundtag ist kein abstraktes Datum. Er ist ein Thermometer für den Zustand unserer Erde. Dass er 2026 bereits am 30. Juni erreicht wird – in der zweiten Junihälfte, mitten in einer historischen Hitzewelle – sollte uns alle aufrütteln.
Das Eis schmilzt. Nicht irgendwann. Jetzt. Heute.






