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Giftiger Kampfstoff gegen Demonstranten? BBC deckt brisante Vorwürfe auf

Neue Recherchen legen nahe, dass georgische Behörden einen Kampfstoff aus dem Ersten Weltkrieg eingesetzt haben könnten.

by Peter Schnieder
Montag, 1. Dezember 2025 um 18:46
in Ausland, Gefahren & Warnungen, News, Politics, Politik, Top News
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Luftaufnahme von Demonstranten in Tiflis mit Wasserwerfer und Rauch

Proteste in Tiflis nach Wasserwerfer-Einsatz (Bildquelle: Shutterstock)

Brennende Haut, Atemnot, tagelange Schmerzen: Was georgische Demonstranten berichten, klingt nach einem Albtraum.
Doch nun legen neue BBC-Beweise nahe, dass tatsächlich ein historischer Kampfstoff eingesetzt wurde.

Und das mitten in Europa – im Jahr 2024.

BBC-Recherche: Wurde Camite wieder eingesetzt?

Im November und Dezember 2024 protestierten Tausende Menschen in Tiflis gegen die Aussetzung des EU-Beitrittsprozesses. Dabei soll es zum Einsatz eines chemischen Kampfstoffs gekommen sein.

Laut bbc.com stützen Experten, Whistleblower und medizinische Daten den Verdacht, dass in Wasserwerfern ein Stoff namens Camite beigemischt wurde – ein Reizstoff aus dem Ersten Weltkrieg.

Demonstranten schilderten starke Hautreizungen, ein brennendes Gefühl, das sich nicht abwaschen liess, sowie Atemprobleme, Erbrechen und wochenlange Beschwerden.

Was ist Camite überhaupt?

Camite (Brombenzylcyanid) wurde vor über 100 Jahren als chemischer Kampfstoff entwickelt. Frankreich nutzte es im Ersten Weltkrieg gegen deutsche Truppen.

Warum so gefährlich?

  • löst extreme Reizungen der Haut und Atemwege aus

  • Wirkung hält stunden- bis tagelang an

  • schwer abzuwaschen

  • gilt als zehnmal stärker als CS-Gas

  • kann Herz- und Lungenprobleme auslösen

Experten hielten Camite eigentlich für „historisch“ – bis jetzt.

Die Proteste: Was Demonstranten berichteten

Brennende Haut – tagelang

Viele Betroffene sagten, das Wasser der Wasserwerfer habe sich „wie Säure“ angefühlt.
Selbst gründliches Waschen verschlimmerte das Brennen.

Atemnot und Erbrechen

Ein Kinderarzt und Demonstrant, Dr. Konstantine Chakhunashvili, dokumentierte Symptome von fast 350 Betroffenen:

  • Luftnot

  • Husten

  • Übelkeit

  • Müdigkeit

  • Herzrhythmusveränderungen

Fast die Hälfte litt über 30 Tage unter Beschwerden.

Whistleblower: „Das war kein normales Tränengas“

Mehrere ehemalige hochrangige Beamte der georgischen Bereitschaftspolizei meldeten sich anonym zu Wort. Einer von ihnen, Lasha Shergelashvili, war früher Chef der Waffenabteilung.

Er soll 2009 denselben Stoff getestet haben:

Seine Aussagen:

  • Wirkung „zehnmal stärker als Tränengas“

  • selbst mit Natronlösung nicht abwaschbar

  • Atemnot bereits bei kurzer Exposition

  • Wasserwerferfahrzeuge „mindestens bis 2022“ damit befüllt

Ein zweiter Ex-Beamter bestätigte unabhängig: Die bei den Protesten 2024 verwendete Chemikalie sei dieselbe.

Inventar-Leak: Zwei geheimnisvolle Substanzen

Die BBC erhielt zudem Einsicht in ein Inventar der Spezialeinheit von 2019 mit zwei mysteriösen Stoffen:

  • UN1710 = Trichlorethylen (Lösungsmittel)

  • UN3439 = Gruppe gefährlicher Industriechemikalien

Nur eine UN3439-Substanz wurde jemals als Kampfstoff verwendet: Brombenzylcyanid – Camite.

Ein internationaler Toxikologe bestätigte:
Die Symptome der Opfer passen eindeutig zu Camite.

Menschenrechts-Alarm: UN-Sonderberichterstatterin warnt

Alice Edwards, UN-Sonderberichterstatterin für Folter, spricht von einem möglichen „schweren Verstoss gegen die Menschenrechte“.

Ihre Einschätzung:

  • Einsatz könnte als experimentelle Waffe gelten

  • Wirkung war nicht kurzfristig, somit völkerrechtswidrig

  • verlangt internationale Untersuchung

  • mögliche Folter oder Misshandlung nicht ausgeschlossen

Wie reagiert die georgische Regierung?

Die Behörden bestreiten sämtliche Vorwürfe und nennen die Recherchen „haltlos“ und „absurd“.

Sie argumentieren:

  • Polizei habe „gesetzeskonform“ gehandelt

  • Demonstranten seien „brutale Kriminelle“

  • der Einsatz sei „verhältnismässig“ gewesen

Unterdessen gehen die Proteste in Tiflis weiter – fast jede Nacht.

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