Was passiert, wenn 1,4 Millionen Tonnen Gestein plötzlich ins Wasser gelangen?
Im Urnersee hat die spektakuläre Seeschüttung aus dem neuen Sisikoner Tunnel begonnen – und sie wirft Fragen auf.
Geplant, gewaltig und ökologisch sensibel: So funktioniert das Megaprojekt wirklich.
Start der Schüttung – Projekt tritt in neue Phase
Am 17. September 2025 begann im Urnersee offiziell die Schüttung des Ausbruchmaterials aus dem Sisikoner Tunnel, einem Teilprojekt der neuen Axenstrasse zwischen Flüelen und Brunnen.
Zunächst werden 0,3 Millionen Tonnen Gestein per Lastwagen nach Flüelen gebracht. Das ist nur der Anfang:
Insgesamt entstehen beim Bau rund 1,4 Millionen Tonnen Material – und ein grosser Teil davon wird direkt in den See geschüttet.
Ab Frühjahr 2026 erfolgt die restliche Anlieferung per Schiff.
Neuer Umschlagplatz in Flüelen: So funktioniert der Ablauf
Im Industriehafen Flüelen wurde für das Projekt ein völlig neuer logistischer Umschlagplatz geschaffen.
Projektleiter Roland Senn erklärt:
„Die LKW entladen ihre Fracht in eine Mulde, aus der das Material per Bagger auf die Klappschiffe geladen wird.“
Massnahmen im Detail:
Radwaschanlage für LKW, um Verschmutzung zu verhindern
Lärmschutzwände seeseitig zur Begrenzung des Schallpegels
Förderbandanlagen mit Leistung bis 1’200 Tonnen/Stunde
Zwei neue Klappschiffe plus ein Reserveschiff im Einsatz
An Spitzentagen werden über 8’000 Tonnen Material angeliefert – via LKW und Güterzug.
Zwei Tunnel – ein See: Doppelte Herausforderung
Parallel zum Sisikoner Tunnel liefert auch das Projekt der zweiten Gotthardröhre Material.
„Die gleichzeitigen Anlieferungen stellen uns vor grosse, aber machbare Herausforderungen“, sagt Roland Senn.
Logistik im Überblick:
Koordination mehrerer Schüttetappen
Zwei-Schicht-Betrieb unter der Woche
Samstagsschicht je nach Bedarf
Hohe Sicherheits- und Umweltstandards
Geogenes Arsen: Gefahr im Gestein?
Ab Herbst 2026 kommt Ausbruchmaterial zum Einsatz, das natürlich vorkommendes Arsen (geogenes Arsen) enthält.
Doch laut Lorenz Jaun, Vorsteher des Amts für Umwelt Uri, ist dies ökologisch unbedenklich, sofern strenge Auflagen beachtet werden.
„Die geogene Arsenproblematik war von Beginn an bekannt.“
Was sagt die Wissenschaft?
Getestet von der Eawag, dem Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs
Grössere Gesteinsbrocken sinken schnell und lassen sich besser überdecken
Kein Vergleich zum Gotthard-Arsen: Andere Gesteinsform, anderes Verhalten im Wasser
Ein detaillierter Kontrollplan stellt sicher, dass keine Schadstoffe freigesetzt werden.
Das Projekt am Urnersee ist ein technisches Meisterstück – mit ökologischer Verantwortung.
Doch es zeigt auch:
Massive Infrastruktur braucht massive Planung – und volle Transparenz.







