Ein Kuscheltier mit gefährlichen Schadstoffen. Elektronik, die im schlimmsten Fall Stromschläge verursachen kann.
Und das alles nur wenige Klicks entfernt im Online-Warenkorb.
Trotz klarer EU-Regeln tauchen weiterhin riskante Produkte auf grossen Plattformen auf – und verschwinden oft erst, wenn es bereits zu spät ist.
Millionen Produkte gelöscht – aber das Problem bleibt
Eine Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt das Ausmass des Problems deutlich.
Allein im November 2025 wurden auf den fünf meistgenutzten Online-Marktplätzen in Deutschland:
- rund 70 Millionen Angebote entfernt
- davon knapp 30 Millionen als unsicher oder verboten eingestuft
Trotzdem gilt: Diese Produkte hätten laut EU-Recht gar nicht erst online erscheinen dürfen.
Blei im Kuscheltier – und lange bekannte Risiken
Besonders alarmierend sind Fälle, in denen Produkte trotz offizieller Warnungen weiter verkauft werden.
Ein Beispiel aus der Untersuchung:
- ein Kuscheltier mit nachgewiesenem Bleigehalt
- bereits seit Jahren mit Sicherheitswarnung im EU-System gelistet
- dennoch weiterhin online angeboten
Auch andere Fälle zeigen ein ähnliches Muster:
- Elektronik mit Sicherheitsmängeln
- Rasierer mit Stromschlag-Risiko
- Produkte trotz jahrelanger Warnmeldungen verfügbar
Wie das EU-System eigentlich funktionieren soll
Die Europäische Union setzt auf mehrere Instrumente zur Produktsicherheit:
Safety Gate Warnsystem`
Das Safety Gate ist ein EU-weites Schnellwarnsystem für gefährliche Produkte.
Behörden melden dort Risiken, etwa bei:
- Chemikalien
- Elektronik
- Spielzeug
- Textilien
Online-Marktplätze sollen diese Warnungen nutzen, um Produkte frühzeitig zu blockieren.
Digital Services Act: Kontrolle mit Lücken
Mit dem Digital Services Act (DSA) wurden Plattformen stärker in die Pflicht genommen.
Sie müssen:
- Löschentscheidungen offenlegen
- Risiken bewerten
- mit Behörden zusammenarbeiten
Doch die Realität sieht laut Kritikern anders aus.
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Kritik: Reaktionen oft zu spät
Die Verbraucherzentrale kritisiert vor allem drei Punkte:
- Kontrollen erfolgen oft erst nach Veröffentlichung
- Abgleich mit Warnsystemen ist unvollständig
- gefährliche Produkte bleiben zu lange online
Im Schnitt lagen bekannte Warnungen laut Analyse bereits über 300 Tage zurück, bevor Produkte entfernt wurden.
Stellungnahmen der Plattformen
Grosse Online-Marktplätze wehren sich gegen die Vorwürfe.
Einige Kernaussagen:
- Amazon verweist auf die Einhaltung des Digital Services Act
- Temu betont proaktive Risikoprüfungen und schnelle Entfernung
Beide Unternehmen argumentieren, dass automatisierte Systeme und rechtliche Standards bereits angewendet werden.
Warum gefährliche Produkte trotzdem durchrutschen
Die grössten Schwachstellen liegen in:
- riesigen Produktmengen
- automatisierten Uploads durch Drittanbieter
- unterschiedlichen internationalen Standards
- begrenzten Prüfkapazitäten vor Veröffentlichung
Ergebnis
Selbst verbotene Produkte können kurzfristig online erscheinen, bevor sie wieder entfernt werden.
Was sich ändern müsste
Experten fordern strengere Regeln, darunter:
- verpflichtender Abgleich vor Veröffentlichung
- automatische Blockierung bei bekannten Warnungen
- häufigere Kontrollen bereits gelisteter Produkte
Ziel: Unsichere Produkte sollen gar nicht erst in den Warenkorb gelangen.
Der Online-Handel ist bequem, schnell und global – aber nicht immer sicher.
Der Fall zeigt deutlich: Trotz EU-Regeln gelangen weiterhin gefährliche Produkte in den Verkauf.







