Beim G20-Finanzministertreffen in Asheville nimmt erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs wieder ein russischer Finanzminister persönlich teil. Die Einladung sorgt bei westlichen Teilnehmern für Kritik. Gleichzeitig wirft der Umgang der US-Regierung mit Medien Fragen auf und könnte Hinweise auf den G20-Gipfel im Dezember in Miami liefern.
In Asheville im US-Bundesstaat North Carolina treffen sich die Finanzminister der G20-Staaten zu zweitägigen Gesprächen über die internationale Wirtschaft. Für besondere Aufmerksamkeit sorgt die Teilnahme des russischen Finanzministers Anton Siluanow.
Laut GMX wertete der deutsche Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil die persönliche Teilnahme Siluanows als einen möglichen Versuch der USA, den Umgang mit Russland zu normalisieren. Er selbst sehe derzeit jedoch keinen Grund für eine Entspannung der Beziehungen.
Klingbeil betonte zugleich, Russland sei weiterhin Mitglied der G20. Deshalb sei es sinnvoll, die Dialogmöglichkeit innerhalb des Formats zu nutzen und Russland dort auch direkt mit den Folgen des Krieges zu konfrontieren.
Klingbeil kritisiert Empfang des russischen Ministers
Klingbeil erklärte, er habe Siluanow persönlich deutlich gemacht, dass die russische Regierung den Krieg gegen die Ukraine beenden müsse. Zudem habe er auf die Folgen des Krieges hingewiesen und die Unterstützung Deutschlands für die Ukraine bekräftigt.
Der deutsche Finanzminister kritisierte gleichzeitig den Umgang mit dem russischen Vertreter. Angesichts der Folgen des Krieges hätte Siluanow aus seiner Sicht nicht wie ein gewöhnlicher Gast empfangen werden dürfen.
Bereits im April 2022 hatte Siluanow an einem G20-Treffen teilgenommen, damals allerdings per Videoschaltung. Mehrere westliche Finanzminister verliessen aus Protest den Raum. Der damalige deutsche Finanzminister Christian Lindner blieb dagegen und antwortete gemeinsam mit den G7-Staaten auf die Rede des russischen Ministers.
Der russische Aussenminister Sergej Lawrow nimmt dagegen regelmässig an Treffen im G20-Kreis teil. Zuletzt war er 2025 in Südafrika und zuvor 2024 in Brasilien vertreten.
Blick richtet sich auf Gipfel in Miami
Das Treffen der Finanzminister dient auch der Vorbereitung des G20-Gipfels der Staats- und Regierungschefs im Dezember. Gastgeber wird erneut die US-Regierung unter Präsident Donald Trump sein. Austragungsort soll Miami im Bundesstaat Florida sein.
Damit stellt sich bereits jetzt die Frage, wie mit einer möglichen Teilnahme des russischen Präsidenten Wladimir Putin umgegangen wird. Putin war zuletzt 2019 persönlich bei einem G20-Gipfel vertreten.
Trump hatte sich im April grundsätzlich offen für eine Teilnahme Putins gezeigt. Er erklärte damals, ein persönliches Erscheinen des russischen Präsidenten könne hilfreich sein und man solle mit allen Beteiligten sprechen.
Eine mögliche Begegnung zwischen Trump und Putin würde den diplomatischen Druck auf die europäischen G20-Staaten weiter erhöhen. Gleichzeitig könnte ein solcher Gipfel zu einem wichtigen Forum für Gespräche über den Krieg gegen die Ukraine werden.
Kein gemeinsames Familienfoto mit Russland
Auch beim traditionellen Gruppenfoto der G20-Minister kam es in Asheville zu Spannungen. Klingbeil lehnte ein gemeinsames «Familienfoto» mit dem russischen Finanzminister ab.
Seine Position begründete er damit, dass deutliche Kritik und direkte Gespräche innerhalb des Treffens möglich seien. Ein gemeinsames Foto mit dem russischen Vertreter wäre aus seiner Sicht jedoch ein zu weitgehendes Zeichen gewesen.
Klingbeil setzte sich nach eigenen Angaben auch bei anderen europäischen G20-Teilnehmern für einen Boykott des Fotos ein. Sollte Siluanow darauf vertreten sein, wollten die europäischen Minister demnach nicht teilnehmen.
Am Ende entstand das Gruppenbild ohne russische Vertreter. Damit konnten die europäischen Minister ihre Teilnahme am Treffen mit einem sichtbaren Zeichen gegen eine gemeinsame Darstellung mit Russland verbinden.
Streit um den Zugang für Journalisten
Neben der russischen Teilnahme sorgte auch die Medienpolitik der US-Gastgeber für Kritik. Zunächst sollten Journalisten der Nachrichtenagentur Bloomberg und der «New York Times» nicht über das Treffen berichten dürfen.
Das deutsche Finanzministerium versuchte nach Angaben aus Delegationskreisen, auf diplomatischem Weg eine Änderung der Entscheidung zu erreichen. Schliesslich erhielt ein Berliner Korrespondent der «New York Times» eine Akkreditierung.
Für Bloomberg blieb der Zugang dagegen verwehrt. Aus der deutschen Delegation hiess es, der Ausschluss einer internationalen Nachrichtenagentur sei beispiellos und aus Sicht der Bundesregierung nicht akzeptabel.
Auch Klingbeil kritisierte den Umgang mit den Medien. Journalisten oder ganze Redaktionen dürften aus seiner Sicht nicht von solchen internationalen Treffen ausgeschlossen werden.
Das G20-Treffen in Asheville steht damit nicht nur im Zeichen wirtschaftspolitischer Gespräche. Die Teilnahme Russlands und der Streit um die Presseakkreditierungen zeigen zugleich, wie schwierig die Zusammenarbeit innerhalb der G20 angesichts des Ukraine-Krieges und der unterschiedlichen politischen Positionen bleibt.






