Ein unsichtbares Demokratiethema?
Frauen und Männer erleben den Staat offenbar unterschiedlich.
Eine neue OECD-Studie im Auftrag des Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) zeigt: In der Schweiz ist das Vertrauen in öffentliche Institutionen zwar insgesamt hoch – doch der Unterschied zwischen den Geschlechtern gehört zu den grössten im gesamten OECD-Raum.
Das wirft Fragen auf, die weit über Statistik hinausgehen.
Schweiz im internationalen Vergleich: Hoches Vertrauen, grosse Lücke
Die Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt zwei zentrale Befunde:
- Die Schweiz gehört insgesamt zu den Ländern mit dem höchsten institutionellen Vertrauen
- Gleichzeitig ist das Geschlechtergefälle besonders ausgeprägt
Damit zählt die Schweiz zu den Staaten mit der stärksten Diskrepanz zwischen Frauen und Männern im Vertrauen in staatliche Institutionen.
Deutliche Unterschiede bei Vertrauen und Beteiligung
Die Studie zeigt klare Unterschiede in mehreren Bereichen.
Vertrauen in politische Teilhabe
- 65 % der Männer glauben, politisch wirksam teilnehmen zu können
- Nur 45 % der Frauen teilen diese Einschätzung
Politische Beteiligung
- 17 % der Männer nehmen an keinen politischen Aktivitäten teil
- 26 % der Frauen bleiben politisch inaktiv
Wahrnehmung öffentlicher Dienstleistungen
- Frauen bewerten Gleichbehandlung durch Behörden deutlich kritischer
- Männer zeigen ein höheres Vertrauen in Verwaltungsprozesse
Warum entsteht dieses Gefälle?
Die Studie selbst liefert keine einzelne Ursache, sondern beschreibt ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
- geringere politische Einbindung von Frauen
- unterschiedliche Erfahrungen mit Behörden und Verwaltung
- ungleiche Wahrnehmung von Fairness in Entscheidungsprozessen
- strukturelle Unterschiede in politischer Partizipation
Besonders auffällig: Frauen zweifeln häufiger daran, dass politische Institutionen alle Bevölkerungsgruppen gleich vertreten.
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Folgen für Demokratie und Gesellschaft
Die Forschenden sehen darin ein relevantes demokratisches Signal.
Denn geringeres Vertrauen kann sich auswirken auf:
- Teilnahme an Abstimmungen
- Nutzung öffentlicher Dienstleistungen
- Unterstützung politischer Reformen
- langfristige politische Partizipation
Damit betrifft das Thema nicht nur individuelle Wahrnehmung, sondern die Funktionsweise demokratischer Prozesse.
Experten: Daten müssen besser genutzt werden
Die Studie betont, dass gezieltere Datenanalysen notwendig sind, um Unterschiede besser zu verstehen.
Empfohlene Massnahmen:
- stärkere politische Einbindung junger Frauen
- bessere Zugänglichkeit von Verwaltungsprozessen
- stärkere Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Erfahrungen
- Ausbau statistischer Datenerhebung
Diese Punkte sollen laut Bericht auch in die Weiterentwicklung der Gleichstellungsstrategie 2030 einfliessen.
Kein Vertrauensverlust, sondern ein Gefälle
Wichtig ist laut Studie: Es handelt sich nicht um einen generellen Vertrauensverlust in der Schweiz.
Das Vertrauen in Institutionen bleibt insgesamt hoch.
Das Problem liegt vielmehr in der Ungleichverteilung zwischen den Geschlechtern.
Ein stiller Unterschied mit grosser Wirkung
Die neue OECD-Studie zeigt ein paradoxes Bild:
Die Schweiz vertraut ihren Institutionen stark – doch nicht alle Bevölkerungsgruppen tun dies gleich.
Das Geschlechtergefälle könnte langfristig Einfluss auf politische Teilhabe und demokratische Stabilität haben.






