Immer mehr Menschen aus Frankreich ziehen in die Westschweiz. Dank attraktiver Arbeitsplätze, höherer Löhne und der Lebensqualität wächst die französische Gemeinschaft stark. In mehreren Kantonen stellt sie bereits die grösste ausländische Bevölkerungsgruppe. In Neuenburg könnte dies bald ebenfalls der Fall sein.
Französische Gemeinschaft wächst in der Westschweiz stark
Die Zahl der in der Westschweiz lebenden Französinnen und Franzosen hat in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Mit einem Wachstum von mehr als 50 Prozent verzeichnet die französische Gemeinschaft unter den ausländischen Bevölkerungsgruppen den stärksten Anstieg.
Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnten Menschen aus Frankreich die portugiesische Gemeinschaft als grösste ausländische Wohnbevölkerung in der Romandie ablösen.
In den Kantonen Genf, Waadt und Jura ist dies bereits Realität. In Neuenburg könnte die französische Gemeinschaft laut Prognosen innerhalb der nächsten zwei Jahre ebenfalls an die Spitze rücken. Darüber berichtete das Westschweizer Radio und Fernsehen RTS.
Ein Beispiel für diesen Trend ist die Familie Lotterie. Sie zog vor fünf Jahren von Paris in den Kanton Neuenburg. Ausschlaggebend für den Umzug war vor allem die Lebensqualität.
«Wir wollten eine ruhigere Umgebung, ein etwas einfacheres Leben», erklärt der Familienvater gegenüber RTS.
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Fachkräfte profitieren von Schweizer Arbeitsmarkt
Neben der Lebensqualität spielen auch berufliche Möglichkeiten eine wichtige Rolle. Besonders gefragt sind viele französische Fachkräfte aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung.
Die Mutter der Familie Lotterie arbeitet als Spezialistin für Industriepatente. Für sie bietet die Schweiz bessere berufliche Perspektiven. Während sie in Frankreich bei einem Arbeitsplatzwechsel möglicherweise einen Umzug der gesamten Familie in Kauf nehmen müsste, sieht sie in Neuenburg mehrere mögliche Arbeitgeber in erreichbarer Nähe.
Auch der Kanton Neuenburg unterstützt die Ansiedlung ausländischer Fachkräfte gezielt. Viele Unternehmen suchen hoch spezialisierte Mitarbeitende, und französische Arbeitskräfte profitieren von der sprachlichen und kulturellen Nähe.
«Unsere Unternehmen suchen ständig sehr spezialisierte Fähigkeiten auf der ganzen Welt. Französische Fachkräfte anzuwerben, ist relativ einfach, weil die kulturelle Nähe eine schnelle Integration erleichtert», sagt Roland Nötzel von der Standortförderung des Kantons Neuenburg gegenüber RTS.
Integration durch Sprache und kulturelle Nähe
Viele französische Zuzügerinnen und Zuzüger berichten von einer unkomplizierten Integration in der Schweiz. Die gemeinsame Sprache und ähnliche gesellschaftliche Strukturen erleichtern den Start im neuen Umfeld.
Auch Marie Cerbino, eine Ärztin aus Bordeaux, lebt heute in der Schweiz und beschreibt ihre Erfahrungen positiv. Sie habe keine grösseren Schwierigkeiten bei der Integration erlebt und schätze die Offenheit im Schweizer Arbeitsumfeld.
Trotz vieler Vorteile gibt es auch kleine Unterschiede im Alltag. Cerbino vermisst unter anderem gewisse französische Traditionen und scherzt: «Wir müssen mehr Bäckereien eröffnen.»
Die steigende Zahl französischer Einwohnerinnen und Einwohner zeigt die enge Verbindung zwischen der Schweiz und Frankreich. Besonders die Westschweiz bleibt aufgrund der geografischen Nähe, der gemeinsamen Sprache und des attraktiven Arbeitsmarktes ein wichtiges Ziel für französische Zuwanderung.






