Frankreich führt neuen freiwilligen Militärdienst ein
Frankreich führt nach über 25 Jahren wieder eine Form der Wehrpflicht ein. Angesichts der wachsenden Gefahr einer Konfrontation mit Russland kündigte Präsident Emmanuel Macron die Einführung eines freiwilligen, zehnmonatigen Militärdienstes für junge Männer und Frauen an – laut bbc.com.
Der sogenannte „nationale Dienst“ soll ab dem Sommer 2026 starten und richtet sich an 18- und 19-Jährige. Die Teilnehmer erhalten mindestens 800 Euro im Monat.
Macron: „Nur wer sich vorbereitet, kann Gefahren entgehen“
Bei der Vorstellung des Programms sagte Macron auf einem Stützpunkt nahe Grenoble:
„Nur wer sich auf Gefahren vorbereitet, kann ihnen entgehen. Wir müssen die Nation mobilisieren, damit sie bereit ist und respektiert bleibt.“
Frankreich reagiert damit auf eine zunehmend unsichere Weltlage, in der – so Macron – „Krieg allgegenwärtig ist“. Die Armee solle künftig auf drei Säulen setzen: Berufssoldaten, Reservisten und Freiwillige.
So soll das neue System funktionieren
-
Start 2026, schrittweise Einführung
-
10 Monate Dienstzeit
-
Bezahlung: mind. 800 € pro Monat
-
Ziel: 3.000 Freiwillige zum Start → 50.000 bis 2035
Der Dienst umfasst militärische Grundausbildung, gesellschaftliche Aufgaben sowie Unterstützungskräfte für Krisen und Katastrophenschutz. Eine Einziehung in die Ukraine schliesst Macron ausdrücklich aus.
Europa rüstet gesellschaftlich auf
Mehrere europäische Staaten reagieren bereits auf die wachsenden Spannungen mit Russland:
-
Belgien & Niederlande: freiwilliger Wehrdienst
-
Deutschland: plant ähnliches Modell
-
Litauen & Lettland: verpflichtende Wehrpflicht per Losverfahren
-
Schweden: 9–15 Monate Dienst seit Wiedereinführung
-
Finnland & Griechenland: Wehrpflicht nie abgeschafft
Frankreich schliesst sich dieser Entwicklung nun an.
Armee begrüsst Schritt – Bevölkerung ebenfalls
Die französische Armeeführung sieht im neuen Modell mehrere Vorteile:
-
Aufbau eines zusätzlichen Personalpools
-
Entlastung der Berufssoldaten
-
Möglichkeit, neue Rekruten für dauerhafte Karrieren zu gewinnen
Laut einer Umfrage befürworten 73 % der Bevölkerung das neue Modell – besonders ältere Bürger. Am kritischsten sehen es 25- bis 34-Jährige.
Kritik: Finanzierung bleibt unklar
Trotz der breiten Zustimmung gibt es deutliche Kritikpunkte:
-
drohende Schuldenkrise
-
kein verabschiedeter Haushalt für 2026
-
bis zu 50.000 bezahlte Freiwillige bedeuten Milliardenkosten
Auch Stimmen aus der Jugend bemängeln, dass der Fokus des Präsidenten nicht auf finanzieller Sicherheit oder psychischer Gesundheit liege, sondern auf Aufrüstung.
Historischer Rückblick
Die Wehrpflicht wurde 1996 unter Präsident Jacques Chirac abgeschafft. Seit 2001 gibt es in Frankreich keine Wehrpflichtigen mehr. Schon damals argumentierte man mit einem geringeren Bedrohungsniveau nach dem Ende des Kalten Krieges.
Macrons neue Entscheidung markiert nun eine historische Kehrtwende.










