Frankreich rüstet für eine unruhigere Zukunft – doch die Worte des neuen Generalstabschefs gingen vielen zu weit.
Mit der Aussage, Frankreich müsse den „Verlust seiner Kinder“ im Ernstfall akzeptieren, löste er eine landesweite Debatte aus.
Warum seine Warnung so empfindlich trifft.
Warnung des Armeechefs sorgt für Aufruhr
General Fabien Mandon, seit September im Amt, appellierte an französische Bürgermeister, mehr Bereitschaft zur nationalen Verteidigung zu zeigen. Seine Aussage, Frankreich müsse den möglichen Verlust seiner Kinder akzeptieren, brachte jedoch viele gegen ihn auf.
Laut nytimes.com machte Mandon deutlich, dass Frankreich angesichts der Bedrohung durch Russland „bereit sein müsse zu leiden“, um seine Werte zu schützen. Wer davor zurückschrecke, bringe das Land in Gefahr, sagte er.
Seine Worte trafen auf ein politisch aufgeladenes Klima – wenige Tage vor einem gross angekündigten Sicherheitsprogramm von Präsident Emmanuel Macron.
Macrons neuer Militärdienst: Der ungünstige Zeitpunkt
Die Empörung kam genau dann auf, als Macron seinen neuen Plan für einen bezahlten, freiwilligen Wehrdienst vorstellen will.
Dieser soll die regulären Streitkräfte entlasten und jungen Menschen ermöglichen, zeitlich begrenzt zu dienen – ohne eine Rückkehr zur Wehrpflicht.
Das Präsidentenbüro betonte am Montag:
„Die Nation muss auf wachsende Bedrohungen vorbereitet werden – moralisch genauso wie militärisch.“
Frankreichs Streitkräfte umfassen derzeit rund 200.000 aktive Soldaten und 40.000 Reservisten.
Politische Reaktionen: „Ja zur Verteidigung – nein zur Kriegstreiberei“
Viele Politiker reagierten scharf:
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Fabien Roussel (Kommunistische Partei) kritisierte Mandons Worte als gefährlich und erinnerte an „51.000 Denkmäler“ gefallener Soldaten in Frankreich.
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Sébastien Chenu (Rassemblement National) sagte, Mandon habe sich „unangemessen“ geäussert.
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Raphaël Glucksmann hingegen nahm ihn in Schutz und sprach von „Realitätsverweigerung“ in der Politik.
Die Debatte zeigt eine tiefe Unsicherheit in Frankreich: Wie weit darf Verteidigungsbereitschaft gehen?
Frankreichs Verhältnis zu Krieg und Sicherheit
Frankreich hat seit dem Ende des Kalten Krieges stark von der Friedensdividende profitiert.
Doch Russlands Grossangriff auf die Ukraine 2022 veränderte die europäische Sicherheitslage drastisch.
Macron warnt seit Monaten:
„Um gefürchtet zu werden, muss man stark sein.“
Frankreich sieht sich regelmässig russischen Cyberangriffen ausgesetzt und ist das einzige Atomwaffen-Land der EU.
Macron nannte Russlands Präsident Wladimir Putin dieses Jahr ein „Raubtier“ und „Ungeheuer vor unserer Haustür“.
Franzosen sorgen sich – fühlen sich aber weiterhin entfernt vom Krieg
Eine Umfrage des Instituts Elabe im März zeigte:
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64 % der Franzosen fürchten, der Krieg könne Frankreich erreichen
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trotzdem fühlen sich viele emotional weit weg vom Konflikt in der Ukraine
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die meisten verbinden Krieg weiterhin stark mit der Vorstellung eines Angriffs auf französischem Boden
Historikerin Bénédicte Chéron erklärt:
„Die Mobilisierung der Gesellschaft für einen Krieg jenseits der eigenen Grenzen ist keineswegs selbstverständlich.“










