Beim Menschen ist das Marfan-Syndrom seit Langem bekannt. Jetzt haben Forscher aus den USA die Erbkrankheit erstmals auch bei Hauskatzen genetisch belegt. Betroffen waren zwei Katerbrüder.
New York – Forscher der Cornell University im US-Bundesstaat New York haben das Marfan-Syndrom erstmals bei Hauskatzen klinisch und genetisch nachgewiesen. Die Erbkrankheit schwächt das Bindegewebe und ist vor allem vom Menschen bekannt. Dort sind schätzungsweise ein bis zwei von 10.000 Menschen betroffen.
Einen gesicherten Fall bei Katzen gab es bislang nicht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin «Scientific Reports».
Extrem lange Beine und Probleme mit den Augen
Betroffen waren die Kater Gary und Shaggy aus demselben Wurf. Die Brüder stammten aus einem Tierheim in den USA und wurden von ihrer Besitzerin Nicole Desmond gemeinsam adoptiert. Über die Elterntiere ist nichts bekannt.
Schon früh zeigten die beiden Kater ungewöhnlich lange Gliedmassen. Bei einem der Tiere waren Speiche und Schienbein 42,5 Prozent länger als bei einem durchschnittlichen Hauskater. Die Mittelhandknochen waren sogar 46 Prozent länger.
Zudem lösten sich bei beiden Tieren laut Studie im Alter von wenigen Monaten die Augenlinsen aus ihrer Verankerung. Später mussten ihnen beide Augen entfernt werden. Hinzu kam eine stark erweiterte Hauptschlagader direkt am Herzen. Diese Symptome gelten auch beim Menschen als typische Merkmale des Marfan-Syndroms.
Winzige Veränderung in einem wichtigen Gen
Das Team um die Genetikerin Jacquelyn Evans untersuchte daraufhin das Erbgut der beiden Kater. Im Gen FBN1, das den Bauplan für das Bindegewebsprotein Fibrillin-1 enthält, entdeckten die Forschenden eine kleine genetische Veränderung.
Beide Brüder hatten die Variante von Vater und Mutter geerbt. In den Erbgutdaten von 1.063 Katzen tauchte die Veränderung nicht auf. Auch bei 191 weiteren untersuchten Tieren wurde sie nicht gefunden.
Laut GMX gehen die Forschenden deshalb davon aus, dass die Elterntiere miteinander verwandt gewesen sein könnten. Aus den genetischen Daten lasse sich jedoch nicht ableiten, wie häufig die Erkrankung bei Katzen tatsächlich vorkommt.
Beide Kater sind inzwischen gestorben
Einer der beiden Kater erlitt mehrfach einen Lungenkollaps und starb im Alter von sieben Jahren und zwei Monaten. Der andere wurde fünf Jahre und zehn Monate alt. Bei ihm riss die Wand der Hauptschlagader.
Untersuchungen von Gewebeproben zeigten zudem zerfaserte elastische Fasern. Vergleichbare Veränderungen sind auch bei Menschen mit Marfan-Syndrom bekannt.
«Die Ergebnisse könnten Tierärzten helfen, ähnliche Fälle künftig zu erkennen», sagte Evans in einer Mitteilung des Cornell University College of Veterinary Medicine.
Nach dem Rind ist die Katze damit erst die zweite Tierart, bei der eine natürlich entstandene Marfan-Mutation nachgewiesen wurde. Die Forschenden betonen jedoch, dass sich aus den beiden verwandten Tieren keine Aussage über die Häufigkeit des Syndroms bei Hauskatzen ableiten lässt.






