Es ist eine der überraschendsten Meldungen des Jahres: Ab dem 1. Juli 2026 ist das 70 Jahre alte Verbot von Rundstreckenrennen in der Schweiz Geschichte. Theoretisch könnten Formel-1-Rennen zurückkehren. Was hat das Verbot ausgelöst? Warum fällt es jetzt? Und ist ein Schweizer GP wirklich realistisch?
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 1. Juli 2026 ist das Rundstreckenverbot in der Schweiz aufgehoben
- Das Verbot bestand seit dem Unglück von Le Mans 1955 – 70 Jahre lang
- Theoretisch sind Formel-1-, MotoGP- und Langstreckenrennen wieder möglich
- Die Kantone entscheiden über Bewilligungen
- Sicherheits- und Umweltstandards müssen eingehalten werden
- Formel-E- und Stock-Car-Rennen brauchen keine speziellen Regelungen mehr
Warum war Motorsport in der Schweiz 70 Jahre verboten?
Die Geschichte beginnt am 11. Juni 1955 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans in Frankreich. Bei einem der schlimmsten Unfälle in der Geschichte des Motorsports verlor ein Rennwagen die Kontrolle, flog in die Zuschauermenge und riss über 80 Menschen in den Tod. Dutzende weitere wurden schwer verletzt.
Die Schweiz reagierte als eines der ersten Länder der Welt mit einem sofortigen und totalen Verbot von Motorsportveranstaltungen auf öffentlichen Strassen und Rundstrecken. Ein Verbot, das 70 Jahre lang Bestand haben sollte.
Was ändert sich ab dem 1. Juli genau?
Das Parlament ebnete bereits 2023 den Weg: Mit einer Teilrevision des Strassenverkehrsgesetzes wurde das Verbot aufgehoben. Nun tritt die Änderung offiziell in Kraft.
Zuständig für Bewilligungen von Motorsportveranstaltungen sind ab sofort die Kantone. Sie entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen Rennen auf ihrem Gebiet stattfinden dürfen. Dabei gelten strenge Auflagen:
- Sicherheitsstandards müssen eingehalten werden
- Anforderungen des Umweltschutzes müssen berücksichtigt werden
- Lärmschutzbestimmungen gelten weiterhin
Ist ein Formel-1-Rennen in der Schweiz realistisch?
Theoretisch ja. Praktisch braucht es noch vieles mehr.
Um einen Formel-1-Grand-Prix auszurichten, braucht es eine FIA-zertifizierte Rennstrecke, ein Millionen-Budget für die Streckenmiete, Sicherheitsinfrastruktur, Logistik und die Zustimmung der lokalen Behörden. Das ist nicht von heute auf morgen möglich.
Realistischere kurzfristige Szenarien:
- Formel E (Elektro-Rennserie) – bereits in Stadtzentren erprobt, umweltfreundlicher
- MotoGP – braucht weniger Infrastruktur als F1
- Stock-Car-Rennen – bereits früher in der Schweiz populär
- Hillclimb und Bergrennen – galten nie als Rundstreckenrennen, waren immer erlaubt
Die Schweiz und der Motorsport – eine zerrissene Geschichte
Trotz des Verbots hat die Schweiz eine reiche Motorsportgeschichte. Schweizer Piloten wie Clay Regazzoni, Jo Siffert und zuletzt Sébastien Buemi und Neel Jani fuhren auf den grossen Bühnen der Welt – nur nicht zu Hause.
Der Genfer Automobilsalon war jahrzehntelang eines der wichtigsten Auto-Events Europas. Die Faszination für Motorsport war nie weg – nur das Verbot stand im Weg.
Fazit: Ein historischer Moment für die Schweiz
Das Ende des 70-jährigen Verbots ist mehr als eine juristische Änderung. Es ist ein Signal: Die Schweiz öffnet sich wieder dem Motorsport. Ob es zu einem echten Formel-1-Rennen kommt, ist offen. Aber die Tür ist ab dem 1. Juli aufgestossen.
Wer träumt nicht davon, einen Formel-1-Boliden durch Zürich oder Genf donnern zu hören?






