Die körperliche Fitness junger Schweizer Stellungspflichtiger ist in den vergangenen 19 Jahren leicht, aber kontinuierlich zurückgegangen. Die durchschnittliche Punktzahl im Fitnesstest der Armee sank bei den Männern von 74,2 Punkten im Jahr 2006 auf 70,4 Punkte 2024. Gleichzeitig schätzen sich die jungen Erwachsenen heute häufiger als sportlich und trainiert ein.
Die Ergebnisse stammen aus einer Langzeitstudie des Bundesamts für Sport (BASPO), der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen (EHSM), der Schweizer Armee und der Universität Zürich. Untersucht wurden Rekrutierungsdaten von rund 700’000 Stellungspflichtigen und freiwilligen Frauen aus den Jahren 2006 bis 2024.
Damit gehört die Untersuchung zu den grössten Langzeitstudien zur objektiv gemessenen körperlichen Fitness junger Erwachsener in Europa. Neben den Ergebnissen des Fitnesstests wurden auch der Body-Mass-Index (BMI) sowie Angaben zum eigenen Bewegungs- und Sportverhalten ausgewertet.
Junge Männer fühlen sich sportlicher als früher
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei der Selbsteinschätzung. Obwohl die objektiv gemessene Fitness der männlichen Stellungspflichtigen zurückging, stieg der Anteil jener, die sich selbst als «trainiert» bezeichnen, von 40 Prozent im Jahr 2006 auf 56 Prozent im Jahr 2024.
Gleichzeitig sank der Anteil der Männer, die sich als inaktiv einschätzen, von 8 auf 4 Prozent. Die Wahrnehmung der eigenen körperlichen Aktivität hat sich damit deutlich verbessert, obwohl die Ergebnisse des Fitnesstests eine gegenteilige Entwicklung zeigen.
Die Forschenden sehen dafür mehrere mögliche Erklärungen. Einerseits überschätzen Menschen bei Selbstbefragungen häufig ihr tatsächliches Bewegungsverhalten. Andererseits sind viele heute beliebte Sport- und Freizeitaktivitäten nicht zwingend darauf ausgerichtet, grundlegende konditionelle und koordinative Fähigkeiten wie Ausdauer, Rumpfkraft oder Gleichgewicht umfassend zu trainieren.
Auch das höhere Rekrutierungsalter spielt eine Rolle
Ein Teil des Rückgangs lässt sich laut Studie durch Veränderungen bei der Zusammensetzung der Rekruten erklären. Mit der Weiterentwicklung der Armee (WEA) ab 2018 stieg das durchschnittliche Alter bei der Rekrutierung deutlich an.
Das Alter wirkt sich auf die Ergebnisse des Fitnesstests aus: Jüngere Stellungspflichtige schneiden im Durchschnitt besser ab als ältere. Der demografische Effekt erklärt deshalb einen Teil des Rückgangs der durchschnittlichen Punktzahl.
Daneben gehen die Forschenden von einem tatsächlichen Leistungsabbau aus. Als möglicher Faktor werden insbesondere die Bewegungseinschränkungen während der Covid-19-Pandemie genannt. Diese könnten die körperliche Entwicklung eines Teils der jungen Erwachsenen nachhaltig beeinflusst haben.
Bei den Frauen zeigt sich dagegen eine andere Entwicklung. Die durchschnittliche Punktzahl der freiwillig zum Militärdienst antretenden Frauen stieg von 45,4 Punkten im Jahr 2006 auf 49,9 Punkte im Jahr 2024.
Auch deren Selbsteinschätzung verbesserte sich: Der Anteil der Frauen, die sich als «trainiert» bezeichneten, erhöhte sich von 50 auf 64 Prozent. Die Forschenden weisen allerdings darauf hin, dass diese Gruppe nicht direkt mit den männlichen Stellungspflichtigen vergleichbar ist, da Frauen den Militärdienst freiwillig anstreben und deshalb tendenziell sportlich motivierter sein dürften.
Studie liefert wichtige Daten für Gesundheitsförderung
Die Daten der Stellungspflichtigen ermöglichen einen besonders umfassenden Blick auf die körperliche Entwicklung junger Männer in der Schweiz. Da nahezu alle Schweizer Männer die Rekrutierung durchlaufen, verfügt die Forschung über eine aussergewöhnlich grosse Datengrundlage.
Die Ergebnisse könnten deshalb auch für die Gesundheits- und Sportförderung von Bedeutung sein. Geprüft werden unter anderem gezielte Massnahmen für junge Erwachsene und Übergangsphasen, beispielsweise beim Wechsel vom obligatorischen Schulsport zu freiwilligen Sport- und Bewegungsangeboten.
Die Studie «Trends in physical fitness performance and body mass index of Swiss military conscripts, 2006–2024» wurde im Fachjournal BMJ Open veröffentlicht. Sie wurde vom Bereich Monitoring und Evaluation der EHSM gemeinsam mit der Schweizer Armee und der Universität Zürich durchgeführt.






