Die geplante Öffnung der Fifa für private Investoren sorgt international für scharfe Kritik. Während Fifa-Präsident Gianni Infantino von einer Chance für den Weltfussball spricht, warnen Verbände und Politiker vor einer zunehmenden Kommerzialisierung. Medienberichten zufolge wird bei der Uefa sogar über einen Boykott der Fussball-Weltmeisterschaft diskutiert.
Die Fifa plant, Teile ihrer kommerziellen Aktivitäten in eine neue Tochtergesellschaft auszulagern. Diese soll künftig die Vermarktung sowie die Organisation der grossen Turniere des Weltverbands bündeln. Ausgewählte private Investoren sollen Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollrechte erwerben können.
Fifa-Präsident Gianni Infantino bezeichnet das Vorhaben als «Demokratisierung des Fussballs weltweit». Die zusätzlichen finanziellen Mittel und das Fachwissen privater Investoren sollen nach seinen Angaben dazu beitragen, die Entwicklung des Fussballs weltweit zu beschleunigen.
Uefa stellt sich entschieden gegen die Pläne
Besonders deutliche Kritik kommt von der Europäischen Fussball-Union Uefa. In einer Stellungnahme erklärt der Verband, die Fifa überschreite mit ihrem Vorhaben eine rote Linie.
Die Uefa betont, die Seele und die Führung des Fussballs seien keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden dürften. Zudem kritisiert sie die fehlende Transparenz darüber, wer finanziell von einer Beteiligung profitieren würde. Niemand besitze den Fussball, deshalb könne ihn auch niemand verkaufen.
Auch Uefa-Vizepräsident Gabriele Gravina warnt vor einer Entwicklung, bei der wirtschaftliche Interessen den Sport verdrängen könnten. Über Jahre habe der Fussball ein Gleichgewicht zwischen Spektakel und Volksnähe geschaffen. Dieses Gleichgewicht dürfe nicht zugunsten einer rein gewinnorientierten Sichtweise verloren gehen.
Infantino verteidigt den Kurs der Fifa
In einer Videobotschaft reagierte Gianni Infantino auf die Kritik. Er betonte, dass die Fans keine Veränderungen am Sport selbst befürchten müssten.
Nach Ansicht des Fifa-Präsidenten fliesse bislang zu wenig vom wirtschaftlichen Erfolg des Fussballs in jene Regionen, die Unterstützung am dringendsten benötigten. Die geplanten Investitionen seien Teil eines demokratischen Prozesses und könnten nur umgesetzt werden, wenn sowohl das FIFA Council als auch eine Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände zustimmen.
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Politiker und Ex-Fifa-Präsident Blatter kritisieren Vorhaben
Auch aus der Politik wächst der Widerstand. Der britische Premierminister Andy Burnham erklärte, die Fussball-Weltmeisterschaft gehöre den Fans und sei kein Produkt, das verkauft werden könne.
Der demokratische US-Kongressabgeordnete Jamie Raskin wirft der Fifa vor, wirtschaftliche Interessen über jene der Fans zu stellen. Gleichzeitig fordert er Aufklärung über mögliche Verbindungen zwischen der Fifa und dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump. Hintergrund ist die mögliche Beteiligung der Investmentgesellschaft Thrive Capital, deren Mitgründer Joshua Kushner der Bruder von Jared Kushner ist.
Auch der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter kritisierte seinen Nachfolger Gianni Infantino. Er erklärte, niemand habe das Recht, den Fussball zu verkaufen, und warnte vor den finanziellen Auswirkungen der engen Beziehungen zwischen der Fifa und der US-Regierung.
Diskussion über WM-Boykott
Nach übereinstimmenden Medienberichten wollen Vertreter der Uefa kurzfristig über das weitere Vorgehen beraten. Laut Berichten von Sky, ESPN und Bloomberg soll dabei auch ein möglicher Boykott einer künftigen Fussball-Weltmeisterschaft zur Sprache kommen.
Ob es tatsächlich zu einem solchen Schritt kommt, ist derzeit offen. Zunächst müssten die Fifa-Mitgliedsverbände den Plänen überhaupt zustimmen. Die Debatte zeigt jedoch, wie tief die Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft und die Vermarktung des internationalen Fussballs derzeit sind.






