FIFA-Präsident Gianni Infantino will im kommenden Jahr erneut für das höchste Amt im Weltfussball kandidieren. Trotz wachsender Kritik und Widerstand aus Europa bestätigte der Weltfussballverband, dass der 56-Jährige bei der Wahl 2027 erneut antreten wird. Die UEFA will seine Wiederwahl verhindern.
Der massiv unter Druck stehende FIFA-Präsident Gianni Infantino wird sich im kommenden Jahr zur Wiederwahl stellen. «Der FIFA-Präsident hat im April angekündigt, dass er 2027 zur Wiederwahl antreten wird. Natürlich hat sich daran nichts geändert», sagte eine Sprecherin des Weltfussballverbands. «Herr Infantino wird zur Wiederwahl antreten.»
Vor der Eröffnung der U20-Weltmeisterschaft der Frauen in Polen hatte Infantino Fragen zu seiner politischen Zukunft noch ausweichend beantwortet. Auf die Frage eines Journalisten, ob er definitiv zur Wahl antreten werde, verliess er lächelnd die Runde und hob dabei den Daumen.
Infantino verfolgte in Katowice das Eröffnungsspiel zwischen Polen und Argentinien. Die Gastgeberinnen setzten sich mit 3:0 durch. «Es wird viel zu sagen geben, aber es wird den richtigen Ort und den richtigen Zeitpunkt dafür geben», hatte der FIFA-Präsident zuvor angekündigt.
Bereits einen Tag später stellte die FIFA klar, dass Infantino tatsächlich erneut kandidieren will.
Infantino nach Investorenplänen massiv unter Druck
Der FIFA-Präsident ist in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck geraten. Besonders seine inzwischen zurückgenommenen Pläne zur möglichen Einbindung von Investoren in zukünftige WM-Geschäfte sorgten international für Kritik und lösten innerhalb der Fussballwelt grosse Diskussionen aus.
Laut GMX sind die umstrittenen Pläne zwar inzwischen vom Tisch, die Kritik an Infantino hält jedoch an. Die UEFA will seine Wiederwahl beim FIFA-Kongress im kommenden März verhindern und gehört damit zu den wichtigsten Gegnern des FIFA-Präsidenten.
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin gilt als einer der schärfsten Kritiker Infantinos. Der Slowene hat allerdings angekündigt, selbst nicht gegen den 56-Jährigen anzutreten.
Damit ist derzeit offen, wer Infantino bei der Wahl herausfordern könnte. Die Bewerbungsfrist für Kandidaten läuft bis zum 18. November.
Infantino steht seit 2016 an der Spitze der FIFA. Sollte er erneut gewählt werden, würde er seine Amtszeit weiter verlängern und den Weltfussballverband auch über die kommenden Jahre prägen.
UEFA bereitet Verfahren wegen Investorendeal vor
Zusätzlichen Druck erzeugt ein geplantes Verfahren im Zusammenhang mit den Investorenplänen. Die UEFA bereitet wegen des umstrittenen Deals ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung vor.
Dabei geht es grundsätzlich um den Vorwurf, dass eine Person bei der Verwaltung fremder Vermögenswerte oder Geschäfte ihre Pflichten verletzt und dadurch einen finanziellen Schaden verursacht haben könnte. Eine Anklage wurde bislang jedoch nicht erhoben.
Infantino weist die Vorwürfe zurück und betont, nicht gegen geltendes Recht verstossen zu haben. Die FIFA ging zuletzt ihrerseits gegen die Kritik aus Europa vor.
Der Weltfussballverband schaltete die US-Justiz ein und warf den europäischen Fussballfunktionären eine «Verleumdungskampagne» vor. Damit verschärft sich der Konflikt zwischen der FIFA-Führung und der UEFA weiter.
Die bevorstehende Präsidentenwahl dürfte deshalb nicht nur über die persönliche Zukunft Infantinos entscheiden. Sie könnte auch zum Machtkampf zwischen dem Weltfussballverband und Europas Fussballführung werden.






