Ein Treffen unter Verschluss
Tief unter dem US-Kapitol herrschte angespannte Stille – bis plötzlich Gelächter ausbrach.
Ende Oktober hatten sich Abgeordnete und Pentagon-Beamte zu einer vertraulichen Unterrichtung versammelt. Das Thema: eine Serie von Angriffen, bei denen bereits über 80 Menschen ums Leben gekommen sind.
Was als technische Besprechung über Drogenkartelle begann, entwickelte sich zu einem politischen Beben.
Alte Strategien in neuem Gewand
Laut Teilnehmern der Sitzung bezeichneten die anwesenden Militärs die Getöteten als „Feind-KIA“ – also im Einsatz gefallene Feinde.
Ein Begriff, der bislang Kriegen vorbehalten war.
Mehrere Abgeordnete reagierten entsetzt: „Von welchem Krieg reden wir hier?“
Die Pentagon-Vertreter erklärten, die Angriffe seien Teil einer Kampagne gegen mutmassliche Drogenhändler in Lateinamerika. Ziel sei es, deren „Operationen zu stören“.
Doch was sie schilderten, klang wie ein Déjà-vu: dieselben Begriffe, dieselbe Rhetorik – wie einst im Drohnenkrieg gegen den Terror in Afghanistan und Pakistan.
Laut cnn.com stützen sich die neuen Operationen auf ähnliche Geheimdienstmuster wie die „Signature Strikes“ im Nahen Osten – Angriffe also, bei denen Zielpersonen auf Basis von Verhaltensmustern und Bewegungsprofilen identifiziert werden, ohne deren Identität zu kennen.
„Al-Qaida der westlichen Hemisphäre“
Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach offen davon, dass Drogenkartelle heute dieselbe Bedrohung darstellten wie einst Terrorgruppen.
Er nannte sie die „Al-Qaida der westlichen Hemisphäre“ und warnte in einer Rede:
„Mein Rat an ausländische Terrororganisationen: Steigen Sie nicht in ein Boot.“
Die USA führten laut Regierungsangaben 20 Angriffe durch, bei denen 21 Boote zerstört wurden.
In den Berichten wurden die Getöteten als „Narko-Terroristen“ klassifiziert.
Kritik an rechtlicher Grundlage
Juristen und Menschenrechtsorganisationen schlagen Alarm.
Denn anders als im „Krieg gegen den Terror“ gibt es keine Zustimmung des Kongresses für militärische Einsätze gegen Drogenhändler.
Ein internes Gutachten des US-Justizministeriums soll laut Rechtsexperten den Präsidenten ermächtigen, gegen eine geheime Liste von Kartellen militärisch vorzugehen – ohne zeitliche Begrenzung.
Ehemalige Offiziere warnen, dass solche Aktionen das Völkerrecht gefährden könnten.
„Das Risiko ist enorm – wenn Zielangaben falsch interpretiert werden, können Unschuldige getroffen werden“, erklärte Mark Cancian, Oberst a. D. des Marine Corps.
Fazit: Zwischen Abschreckung und Eskalation
Trumps Rückgriff auf militärische Methoden des Nahost-Kriegs markiert eine gefährliche Grenzverschiebung.
Was als Kampf gegen den Drogenhandel begann, entwickelt sich zu einer militärischen Kampagne ohne klare rechtliche Basis.










