Experte: Fünf bis zehn Jahre für strategische Schlüsselbereiche
Europa würde nach Einschätzung der Sicherheitsexpertin Jana Puglierin mehrere Jahre benötigen, um militärisch unabhängig von den USA zu werden. „Fünf Jahre mindestens, für Bereiche wie Aufklärung, Überwachung, Satelliten vielleicht sogar ein Jahrzehnt oder länger“, sagte Puglierin den Zeitungen der Funke Mediengruppe, zitiert von gmx.ch.
Besonders kritisch seien „strategische Schlüsselbereiche, über die europäische Armeen bislang noch nicht verfügen“ – etwa Aufklärung, Zielerfassung, die integrierte Luftverteidigung oder der strategische Lufttransport. Europa müsse sich allein verteidigen können, so Puglierin, die das Berliner Büro des Thinktanks European Council on Foreign Relations leitet.
NATO-Modell nicht mehr tragfähig
Das bisherige NATO-Modell, in dem europäische Länder den USA als Bündnispartner freiwillig folgten, sei „offensichtlich nicht mehr im Angebot“. Puglierin verwies dabei auch auf frühere Drohungen von Donald Trump, wie etwa die mögliche Annexion der Arktisinsel Grönland, die zu Dänemark gehört.
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Skepsis gegenüber europäischer Atombombe
In der Diskussion um eine mögliche EU-Atombombe zeigte sich Puglierin skeptisch. Diese sei aus vielen Gründen kein Ersatz für den atomaren Schutzschirm der USA. Gleichzeitig widerspreche ihr die Vorstellung, dass sich europäische Länder einzeln mit Nuklearwaffen ausrüsten. Sie plädiert dafür, gemeinsam mit den Atommächten Frankreich und Grossbritannien pragmatische Wege zu finden, wie diese stärker zur gesamteuropäischen Abschreckung beitragen könnten.
Deutschland sei als NATO-Partner keine Atommacht, stelle aber im Rahmen der nuklearen Abschreckung Kampfflugzeuge bereit, die im Verteidigungsfall mit US-Atombomben bestückt werden könnten. Seit dem Amtsantritt Trumps wachse jedoch das Misstrauen, ob Europa sich im Ernstfall noch auf den US-Schutz verlassen könne. Emmanuel Macron schlägt deshalb schon länger ein europäisches atomares Schutzschild vor.










