Billigprodukte, riesige Rabatte und Millionen Kunden – doch jetzt wird es für Temu ernst.
Die EU-Kommission hat gegen den chinesischen Online-Marktplatz eine Strafe von 200 Millionen Euro verhängt.
Der Vorwurf wiegt schwer: Verbraucher in Europa seien auf der Plattform regelmässig gefährlichen oder illegalen Produkten ausgesetzt gewesen.
EU wirft Temu schwere Verstösse vor
Nach Angaben der EU-Kommission habe Temu Risiken für Verbraucher nicht ausreichend bewertet.
Besonders kritisch sehen die Behörden:
- mangelhafte Sicherheitskontrollen
- unzureichende Risikobewertungen
- gefährliche Produkte im Sortiment
- fehlende Transparenz
Die zuständige EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen sprach von einem „besonders schwerwiegenden Verstoss“ gegen den Digital Services Act (DSA).
Gefährliche Babyspielzeuge und unsichere Ladegeräte
Die EU verweist auf Testkäufe aus dem vergangenen Jahr.
Dabei seien zahlreiche Produkte durch Sicherheitsprüfungen gefallen.
Besonders problematisch:
- Ladegeräte bestanden grundlegende Sicherheitstests nicht
- Babyspielzeuge überschritten Chemikalien-Grenzwerte
- bei mehreren Produkten bestand Erstickungsgefahr
Die Behörden warnen davor, dass solche Produkte direkt in europäischen Haushalten landen.
Temu wächst trotz Kritik rasant
Temu ist erst seit 2023 in Europa stark präsent.
Dennoch zählt die Plattform inzwischen rund 130 Millionen Nutzer in Europa.
Das Geschäftsmodell:
- extrem günstige Preise
- direkte Lieferung aus China
- aggressive Rabattaktionen
- hohe Sichtbarkeit über Social Media und Influencer
Gerade diese Mechanismen sieht die EU zunehmend kritisch.
Influencer und Algorithmen im Fokus
Die Kommission kritisiert nicht nur die Produkte selbst.
Auch Temus Plattformdesign könnte problematisch sein.
Die Vorwürfe:
- Influencer-Werbung verstärke riskante Kaufentscheidungen
- Empfehlungssysteme könnten gefährliche Produkte pushen
- Verbraucher würden zu Impulskäufen verleitet
Damit rückt erstmals auch die technische Gestaltung der Plattform stärker in den Mittelpunkt.
Was Temu jetzt droht
Die 200-Millionen-Euro-Strafe ist noch nicht das Ende.
Temu muss:
- die Probleme beheben
- Sicherheitsmechanismen verbessern
- strengere Kontrollen einführen
Falls dies nicht geschieht, drohen tägliche Strafzahlungen.
Zusätzlich laufen weitere Untersuchungen wegen möglicher Verstösse gegen EU-Recht.
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Der Digital Services Act wird erstmals richtig spürbar
Seit Februar 2024 gilt in der EU der Digital Services Act.
Das Gesetz verpflichtet grosse Plattformen unter anderem dazu:
- illegale Inhalte schneller zu entfernen
- Nutzer besser zu schützen
- Risiken transparent zu bewerten
- Kinder besonders zu schützen
Die Strafe gegen Temu ist erst die zweite grosse Sanktion unter dem neuen Gesetz.
Auch Shein und Aliexpress im Visier
Temu ist nicht der einzige chinesische Onlinehändler unter Beobachtung.
Auch:
- Shein
- Aliexpress
stehen im Fokus europäischer Behörden.
Die EU reagiert damit auf die massive Zunahme günstiger Direktimporte aus China.
2024 erreichten laut EU-Kommission täglich rund zwölf Millionen Pakete Europa.
Neue Gebühren für Billigimporte geplant
Europa plant weitere Massnahmen gegen die Paketflut.
Ab Juli soll für kleine Pakete bis 150 Euro eine zusätzliche Abgabe von drei Euro erhoben werden.
Zudem wird über neue Bearbeitungsgebühren diskutiert.
Das Ziel:
- fairerer Wettbewerb
- bessere Kontrollen
- weniger Billigimporte ohne Sicherheitsprüfung
Die Millionenstrafe gegen Temu markiert einen Wendepunkt im Umgang Europas mit grossen Online-Plattformen aus China.
Die EU zeigt damit erstmals deutlich, dass Verstösse gegen Verbraucher- und Sicherheitsregeln ernsthafte Konsequenzen haben können.






