Saubere Energie, aber zu welchem Preis?
Die Energiewende braucht neue Rohstoffe – doch deren Abbau sorgt zunehmend für Konflikte.
Auch in Europa geraten Klima- und Wirtschaftsinteressen mit den Rechten indigener Bevölkerungsgruppen aneinander.
Sami warnen vor Folgen einer Kupfermine
Anna Ravna gehört zu den Sami, der indigenen Bevölkerung im Norden Skandinaviens. Sie reiste nach Bern, um auf die Situation ihres Volkes aufmerksam zu machen.
Ihre Botschaft:
«Ich bin für die Energiewende, aber nicht auf Kosten der Rechte der Sami.»
Ravnas Familie lebt seit Generationen am Repparfjord in Norwegen. Dort soll eine neue Kupfermine entstehen.
Die sogenannte Nussir-Mine des kanadischen Unternehmens Blue Moon Metals liegt in einem Gebiet, das traditionell für die Rentierhaltung genutzt wird.
Kritiker befürchten:
- Verlust wichtiger Weideflächen
- Gefährdung der Rentierhaltung
- Schäden an geschützten Lachspopulationen
- Belastung des Fjords durch Bergbauabfälle
Rohstoffe für die Energiewende erhöhen den Druck
Kupfer gilt als wichtiger Rohstoff für die Energiewende.
Der Bedarf steigt unter anderem durch:
- Stromnetze
- Elektrofahrzeuge
- erneuerbare Energien
- Batteriespeicher
Die Europäische Union will ihre Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern reduzieren und eigene Rohstoffquellen stärker nutzen.
Damit wächst jedoch der Druck auf Regionen, in denen diese Rohstoffe vorkommen.
Forscher warnt vor neuen Konflikten
Fritz Brugger, Politikwissenschaftler an der ETH Zürich mit Schwerpunkt Rohstoffabbau und Handel, sieht ein grundsätzliches Problem.
Bergbauprojekte seien immer grosse Eingriffe in:
- Natur
- Landschaft
- lokale Wirtschaftsformen
- gesellschaftliche Strukturen
Wenn der Ausbau kritischer Rohstoffe zu schnell vorangetrieben werde, könne der Schutz lokaler Rechte schwieriger werden.
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Indigene Völker haben besondere Rechte
Indigene Gemeinschaften verfügen nach internationalen Standards über besondere Schutzrechte.
Die UNO-Erklärung über die Rechte indigener Völker sieht unter anderem vor, dass:
- betroffene Gruppen frühzeitig informiert werden
- sie in Entscheidungen einbezogen werden
- ihre Zustimmung bei bestimmten Projekten berücksichtigt wird
Norwegen hat diese Erklärung unterzeichnet.
Fabienne Krebs von der Organisation Voices, die Sami unterstützt, sieht deshalb einen klaren Konflikt:
Die Sami hätten das Recht, Projekte abzulehnen, wenn keine akzeptablen Alternativen vorhanden seien.
Streit erinnert an Windpark-Konflikt in Norwegen
Ein ähnlicher Fall sorgte bereits beim Windpark Fosen für Aufmerksamkeit.
Das norwegische Höchstgericht entschied 2021, dass der Windpark die kulturellen Rechte der Sami verletze, weil die Rentierhaltung beeinträchtigt werde.
Trotz des Urteils blieben die Windräder jedoch weiterhin in Betrieb.
Der Fall zeigt die Schwierigkeit solcher Konflikte: Selbst rechtliche Erfolge können spät kommen, wenn Projekte bereits umgesetzt wurden.
Europa steht vor einem schwierigen Balanceakt
Der Konflikt zeigt ein grundlegendes Problem der Energiewende.
Europa benötigt mehr Rohstoffe für klimafreundliche Technologien – doch deren Gewinnung hat oft Auswirkungen auf Menschen und Natur.
Fritz Brugger betont, dass Europa diese Folgen nicht auslagern könne.
Die Frage lautet deshalb:
Wie kann die Energiewende gelingen, ohne die Rechte jener Menschen zu verletzen, die in den Abbaugebieten leben?






