Im Streit um die künftige Eigentümerschaft der Kraftwerke Oberhasli (KWO) zeichnet sich eine Einigung ab. Die bisherigen Grossaktionäre BKW, EWB, EWZ und IWB sollen beteiligt bleiben, wobei die Berner Energieversorger ihre Anteile ausbauen und die ausserkantonalen Partner Anteile abgeben. Rund 30 kleinere Berner Energieversorger erhalten keine Aktien, dafür neu sechs Prozent des KWO-Stroms.
Berner Versorger erhalten mehr Einfluss
Die Kraftwerke Oberhasli gehören zu den bedeutendsten Wasserkraftanlagen der Schweiz. Mit Stauseen und Pumpspeicherwerken im Grimselgebiet produzieren sie jährlich Strom für mehrere hunderttausend Haushalte. Heute sind die BKW sowie die städtischen Energieversorger EWB aus Bern, IWB aus Basel und EWZ aus Zürich an der KWO beteiligt.
Die Frage der künftigen Eigentumsverhältnisse war im Zusammenhang mit der Erneuerung der Konzession umstritten. Die aktuelle Konzession für die Nutzung der Gewässer im Grimselgebiet läuft Ende 2041 aus. Danach könnte der Kanton Bern die Anlagen übernehmen oder die Konzession neu vergeben. Dieser sogenannte Heimfall wird von der Berner Regierung jedoch nicht angestrebt.
Stattdessen soll die Konzession erneut den bisherigen Aktionären übertragen werden. Nach einer nun erzielten Einigung sollen EWB und BKW künftig einen grösseren Anteil erhalten, während EWZ und IWB ihre Beteiligungen reduzieren. Damit würde grundsätzlich jene Richtung bestätigt, auf die sich die vier bisherigen Energieversorger bereits im März geeinigt hatten.
Kleine Energieversorger erhalten sechs Prozent Strom
Gegen die damalige Lösung hatten sich rund 30 kleinere Berner Energieversorger gewehrt. Sie verlangten im Rahmen der Konzessionserneuerung eine eigene Beteiligung an den Kraftwerken Oberhasli.
Eine Aktienbeteiligung ist auch nach der jüngsten Einigung nicht vorgesehen. Die kleineren Energieversorger sollen jedoch neu sechs Prozent des KWO-Stroms erhalten. Dafür bekommen sie Bezugsrechte und gleichzeitig die Verpflichtung, den entsprechenden Anteil des produzierten Stroms zu übernehmen.
Für diese Vereinbarung zahlen die Energieversorger einmalig einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag. Damit erhalten sie einen direkten Zugang zur Wasserkraftproduktion, ohne selbst Aktionäre der KWO zu werden.
Politische Entscheide stehen noch aus
Die gefundene Lösung ist noch nicht endgültig. Das Berner Kantonsparlament soll sich in der kommenden Wintersession mit dem Vorschlag befassen. Danach sind auch politische Entscheide in den Städten Bern, Basel und Zürich notwendig.
Erst wenn sämtliche politischen Hürden genommen sind und die künftige Eigentümerschaft feststeht, können die KWO ihre grossen Ausbauprojekte definitiv vorantreiben. Im Grimselgebiet sind unter anderem die Erhöhung der bestehenden Staumauer des Grimselstausees sowie der Bau des neuen Triftsees im Sustengebiet geplant.
Die beiden Projekte haben zusammen ein geschätztes Investitionsvolumen von rund 700 bis 800 Millionen Franken. Angesichts dieser Summe wollen die bisherigen Aktionäre einen definitiven Bauentscheid erst treffen, wenn die Eigentumsverhältnisse und damit die langfristige Grundlage für die KWO geklärt sind.






