Ein Zürcher Ingenieur bestellt Schmuck für seine Partnerin bei einem vermeintlichen Schweizer Online-Shop – und erhält Billigware aus Hongkong im Wert von 3.49 Franken. Dahinter steckt ein 20-jähriger Gymischüler. Er ist kein Einzelfall: In der Schweiz floriert die Dropshipping-Masche. 1’500 Beschwerden gingen allein letztes Jahr beim Konsumentenschutz ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Shops mit .ch-Domain und Schweizer Ortsnamen täuschen lokale Herkunft vor.
- Ware kommt aus China oder Hongkong – oft auf AliExpress für 2 Franken erhältlich.
- 1’500 Beschwerden gingen allein 2025 beim Konsumentenschutz Schweiz ein.
- Im Mai 2026 zeigte der Konsumentenschutz 61 illegale Fake-Shops an.
- Rückerstattungen sind praktisch unmöglich – Betreiber sitzen oft im Ausland.
- Ein 20-jähriger Gymischüler betrieb mehrere solcher Shops gleichzeitig.
Die Geschichte: Kleeblatt-Schmuck aus Hongkong
David S. möchte sich nicht über den Tisch ziehen lassen. «Auch wenn es nur um etwas mehr als hundert Franken geht», sagt er. Der Zürcher Ingenieur bestellte für seine Partnerin Schmuck beim Onlineshop «Meyer Basel» für rund 120 Franken. Doch statt glänzender Schmuckstücke erhielt er Billigware aus Hongkong – keine 4 Franken wert, wie ein Blick auf asiatische Internetseiten zeigt.
Misstrauisch wurde er erst, als er nach zwei Wochen sah, dass die Ware aus Hongkong geliefert wird. Ein entsprechendes Geschäft in der Schweiz existiert gar nicht. Schweizer Städtenamen sollen im Internet Vertrauen und Nähe vermitteln – doch die Ware wird direkt aus China verschifft.
Was ist Dropshipping überhaupt?
Dropshipping ist ein Geschäftsmodell, bei dem ein Händler selbst keine Ware lagert. Stattdessen leitet er Bestellungen einfach an Hersteller oder Grosshändler weiter – meist in China.
Justiziabel wird es erst dann, wenn aktiv mit falschen Herkunftsangaben geworben wird – also wenn ein «Schweizer Produkt» versprochen wird, das sich als chinesisches Billigprodukt entpuppt.
Der Konsumentenschutz Schweiz hat im Mai 2026 bereits 61 illegale Dropshipping-Shops angezeigt – ein Rekord.
🚨 Breaking News direkt aufs Smartphone
Verpasse keine Eilmeldung mehr – jetzt den imTicker WhatsApp-Kanal abonnieren:
👉 imTicker auf WhatsApp abonnieren
Die Tricks der Fake-Shops
Die Shops sind professionell gemacht. Schweizer Städtenamen im Shopnamen (z.B. «Meyer Basel», «Paul Rosenbach», «Mode aus Zürich») sollen Vertrauen wecken. Dahinter steckt oft ein Unternehmen in Hongkong.
Produktfotos werden von bekannten Marken wie Van Cleef & Arpels geklaut – Urheberrechtsverletzungen inklusive. Fünf-Sterne-Bewertungen und Produktfotos sind oft KI-generiert. Keine Schweizer Telefonnummer, kein Handelsregistereintrag, Lieferzeiten von 3 bis 6 Wochen statt 1 bis 3 Tagen.
Diese Shops stehen auf der schwarzen Liste
trend-box.ch, chiccasa.ch, luminabeauty.ch, pfotenland.ch, reise-welt.ch, autoprinz.ch, stellabrillantejewellery.ch, cozyandcasa.com.
Sie alle werben mit schönen Produktbildern, einwandfreiem Verkaufsdeutsch und einer .ch-Domain – und liefern Billigware aus Fernost.
Was tun wenn man reingefallen ist?
| Schritt | Massnahme |
|---|---|
| 1. Kreditkarte | Chargeback beantragen – innerhalb von 30 Tagen möglich |
| 2. Konsumentenschutz | Shop auf konsumentenschutz.ch melden |
| 3. Anzeige | SECO oder Kantonspolizei einschalten |
| 4. Bewertung | Ehrliche Bewertung auf Trustpilot oder Google hinterlassen |
So schützt du dich künftig
✓ Trustpilot prüfen, bevor du bestellst.
✓ Eine .ch-Domain bedeutet nicht automatisch Schweiz – Impressum prüfen.
✓ Handelsregistereintrag auf zefix.ch suchen.
✓ Immer auf Rechnung bestellen – nie Vorauszahlung.
✓ Lieferzeit prüfen – mehr als zwei Wochen sind ein Warnsignal.
✓ Preisvergleich auf AliExpress: Gleiches Produkt für 2 Franken? Dann Finger weg!
Fazit
Ein Gymischüler in der Agglomeration Zürich kann in wenigen Stunden einen perfekt aussehenden «Schweizer» Online-Shop aufsetzen. Zu Anzeigen kommt es wegen des geringen Warenwerts fast nie.
Die einzige wirksame Waffe sind informierte Konsumentinnen und Konsumenten. 120 Franken für Ware im Wert von 3.49 Franken – das muss nicht sein.






