Die Schweiz kam bislang stabil durch den Winter.
Doch nun wächst die Nervosität.
Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) warnt wegen des Iran-Kriegs und der angespannten Lage auf dem Gasmarkt vor möglichen Risiken für die Stromversorgung im kommenden Winter.
Vor allem ein mögliches Extrem-Szenario bereitet den Behörden Sorgen.
Schweiz war stark auf Stromimporte angewiesen
Der vergangene Winter zeigte bereits, wie abhängig die Schweiz in kritischen Situationen vom Ausland ist.
Weil das Kernkraftwerk Gösgen monatelang ausfiel, musste deutlich mehr Strom importiert werden.
Laut ElCom beliefen sich die Netto-Importe auf rund 6.8 TWh – das entspricht etwa einem Fünftel des Winterverbrauchs der Schweiz.
Besonders wichtig waren dabei Stromlieferungen aus Frankreich.
Dort sorgte die hohe Verfügbarkeit der Kernkraftwerke für grosse Stromüberschüsse.
Warum Gösgen so wichtig ist
Das Kernkraftwerk Gösgen deckt normalerweise rund 13 Prozent des Schweizer Winterstromverbrauchs.
Fällt eine solche Anlage aus, steigt die Abhängigkeit von:
- Stromimporten
- europäischen Strommärkten
- stabilen Gaslieferungen
- funktionierenden Übertragungsnetzen massiv an.
Iran-Krieg sorgt für neue Unsicherheiten
Besonders kritisch sieht die ElCom die aktuelle Lage auf dem internationalen Gasmarkt.
Durch den Iran-Krieg und die Schliessung der Strasse von Hormus sind die Gaspreise in Europa zuletzt deutlich gestiegen.
Die Sorge: Europa könnte Schwierigkeiten bekommen, seine Gasspeicher bis zum Winter ausreichend zu füllen.
Das hätte direkte Folgen für die Stromversorgung.
Warum Gas so wichtig bleibt
Viele europäische Länder nutzen Gaskraftwerke, um Versorgungslücken zu schliessen.
Vor allem bei:
- tiefen Temperaturen
- wenig Windkraft
- schwacher Solarproduktion
- Verbrauchsspitzen
springen Gaskraftwerke ein.
Fehlt Gas, steigt das Risiko von Engpässen im Stromsystem.
Droht ein Blackout?
Aktuell sieht die ElCom keine unmittelbare Gefahr einer Stromknappheit.
Die Marktpreise liegen weiterhin deutlich unter den extremen Krisenjahren 2021 und 2022.
Europa verfügt heute über:
- mehr LNG-Terminals
- flexiblere Importmöglichkeiten
- höhere Stabilität im französischen Atompark
Dennoch bleibt laut Behörden ein Restrisiko bestehen.
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Das gefährlichste Szenario
Besonders problematisch wäre laut ElCom folgende Kombination:
- länger andauernde Blockade der Strasse von Hormus
- ungenügend gefüllte europäische Gasspeicher
- sehr kalter Winter
- tiefe Produktion erneuerbarer Energien
In einem solchen Szenario könnten Gaskraftwerke nicht mehr ausreichend Strom liefern.
Das würde die gesamte europäische Stromversorgung unter Druck setzen – auch die Schweiz.
Sorge um das Schweizer Stromnetz
Nicht nur die Energieproduktion beschäftigt die Behörden.
Auch das Schweizer Übertragungsnetz gilt zunehmend als Herausforderung.
Laut ElCom sind rund 60 Prozent der etwa 12’000 Tragwerke zwischen 50 und 80 Jahre alt.
Die Behörde fordert deshalb schnellere Bewilligungsverfahren und Vereinfachungen beim Netzausbau.
Lehren aus dem Blackout auf der iberischen Halbinsel
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt das Thema nach dem grossen Blackout auf der iberischen Halbinsel im Jahr 2025.
Ein Bericht der europäischen Netzorganisation ENTSO-E zeigte, dass mehrere Faktoren gleichzeitig zum Zusammenbruch führten.
Im Zentrum stand die sogenannte Spannungshaltung im Stromnetz.
Die Schweiz gilt zwar wegen ihrer geografischen Lage und der starken Vernetzung als vergleichsweise stabil.
Trotzdem sollen die Erkenntnisse künftig stärker in die Weiterentwicklung des europäischen Stromsystems einfliessen.
Was bedeutet das für Haushalte?
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet die aktuelle Lage vor allem eines: Unsicherheit.
Steigende Gaspreise könnten sich erneut auf:
- Strompreise
- Heizkosten
- Energieabgaben
Ob es tatsächlich zu Engpässen kommt, hängt stark von der geopolitischen Entwicklung und dem kommenden Winter ab.
Fazit
Die Schweiz verfügt derzeit weiterhin über eine stabile Stromversorgung.
Doch der Iran-Krieg zeigt erneut, wie stark Europas Energiesystem miteinander verbunden ist.
Vor allem die Abhängigkeit von Gas und Stromimporten bleibt ein sensibles Thema.
Die kommenden Monate dürften entscheidend dafür werden, wie sicher Europa und die Schweiz durch den Winter 2026/27 kommen.







