Ein neuer Schwarzmarkt boomt
Sie sehen aus wie Bluetooth‑Boxen. Oder wie harmlose Elektronik.
Doch in Wahrheit öffnen sie Autos im Wert von zehntausenden Franken – ganz ohne Einbruch, ganz ohne klassischen Schlüssel.
In Grossbritannien boomen sogenannte Schlüssellose‑Diebstahlgeräte, und Kriminelle zahlen dafür Summen, die selbst Ermittler staunen lassen: bis zu 25’000 Euro pro Gerät. Was wie ein Hightech‑Film klingt, ist längst Realität.
Wie Kriminelle Autos in zwei Minuten stehlen
Laut bbc.com werden diese Geräte offen in einschlägigen Online‑Kanälen angeboten – inklusive Preislisten und Videoanleitungen. Sie verlängern das Funksignal eines Autoschlüssels aus der Wohnung, sodass Täter draussen das Fahrzeug öffnen und starten können.
Das Perfide: Die Besitzer schlafen, während ihr Auto mit nur einem Funksignalentwurf entwendet wird.
Eine Betroffene, Abbie Brookes‑Morris aus Wolverhampton, beschreibt es als „Überfall im Schlaf“. Ihre Türklingelkamera filmte, wie die Täter vor dem Haus das Signal einfingen. Ganze zwei Minuten dauerte es, bis ihr Fahrzeug weg war. Die Polizei fand es später zwar wieder – fahruntüchtig und stillgelegt.
Organisierte Banden, teure Geräte – und kaum zu stoppen
Fachleute berichten von einer klaren Verschiebung: weg vom spontanen Diebstahl, hin zu professionell organisierten Banden, die Fahrzeuge nach Bestellung stehlen.
Einige der Geräte sind als Alltagsobjekte getarnt, andere stammen aus militärischer Technologie, können Ortungssignale blockieren und ein verschwundenes Auto praktisch unsichtbar machen.
Richard Billyeald von Thatcham Research sagt klar:
„Diese Geräte werden ausschließlich zum Autodiebstahl benutzt – es gibt keinerlei legitimen Nutzen.“
Und Experten wie Neil Thomas sehen ein perfides Geschäftsmodell dahinter: Die Banden verleihen die Geräte weiter – und stehlen damit «zehn Autos pro Woche», wie er sagt. Ein lukratives, grenzüberschreitendes Verbrechen.
Zahlen, die alarmieren
Die Entwicklung ist brisant:
Allein in den letzten zwölf Monaten wurden in Grossbritannien über 100’000 Fahrzeuge gestohlen.
Versicherungsdaten zeigen, dass 60 bis 70 Prozent aller Diebstähle inzwischen schlüssellose Systeme betreffen – ein Anstieg, der Autofahrer verunsichert und Ermittler an ihre Grenzen bringt.
Jack Cousens vom ADAC warnt, schlüssellose Systeme seien zwar praktisch, verwandelten aber ganze Strassen in „Ziele für Mehrfachdiebe“. Klassischer Einbruch? Kaum noch nötig.
Neues Gesetz: Reicht ein Verbot aus?
Der britische „Crime and Policing Bill“ sieht vor, den Besitz und die Weitergabe solcher Geräte zu verbieten. Wer dagegen verstösst, riskiert bis zu fünf Jahre Haft.
Bis jetzt konnte die Polizei nur handeln, wenn nachweisbar war, dass das Gerät bei einem Diebstahl eingesetzt wurde.
Künftig soll allein der Besitz strafbar sein.
Ob das reicht, um hochprofessionelle Banden zu stoppen – oder ob diese längst neue Methoden entwickeln – bleibt offen.










