Alle lieben die Geschichten der Kleinen, die den Grossen ein Bein stellen. Im modernen Fussball wird das schwieriger: Geld, Kaderwerte und Kaderbreite drücken die Hierarchien oft schon vor dem ersten Anpfiff fest. Und trotzdem gibt es sie noch – Teams, die sich nicht um Prognosen kümmern und einfach liefern. Wie watson.ch berichtet, sorgt in (fast) jeder europäischen Topliga mindestens ein Aussenseiter dafür, dass die Tabelle anders aussieht als erwartet.
Nach der letzten Länderspielpause des Jahres ist rund ein Drittel der Saison gespielt. Zeit für einen Blick auf fünf Underdogs, die gerade so richtig aufdrehen.
Premier League: AFC Sunderland
Dass Aufsteiger Sunderland nach elf Spieltagen auf Rang 4 steht, ist eine der grössten Überraschungen der Premier-League-Saison. Zu Hause sind die „Black Cats“ noch ungeschlagen – selbst Arsenal konnte im Stadium of Light nicht gewinnen. Das bisherige Highlight: ein 2:1 an der Stamford Bridge gegen Chelsea.

(Bildquelle: www.imago-images.de)
Auffällig ist, wie stabil Sunderland wirkt. Granit Xhaka gibt im Mittelfeld den Takt vor, ist Antreiber und mit drei Assists bester Vorbereiter. Vorne sorgt Wilson Isidor für Effizienz: Der 25-jährige Franzose steht bereits bei vier Treffern. Dazu kommt Keeper Robin Roefs, der mit mehreren starken Paraden Punkte festhielt, und Trainer Régis Le Bris, der die Balance zwischen Mut und Ordnung gefunden hat.
Am Wochenende wartet nun das kriselnde Fulham auswärts – ein echter Härtetest, aber Sunderland hat bisher gezeigt, dass sie auch auf grossen Bühnen bestehen können.
Bundesliga: TSG Hoffenheim
Die Hoffenheimer galten vor der Saison vielerorts als Abstiegskandidat – und stehen jetzt auf Platz 6. Vier Siege in Folge machen sie zu einem der formstärksten Teams in Deutschland. Entscheidender Faktor: ein spielerisch erstaunlich reifes Zentrum.

Leon Avdullahu ist der Passmotor, Albian Hajdari sitzt in der Innenverteidigung fest im Sattel und überzeugt mit Zweikampfstärke und sauberer Spieleröffnung. Und vorne blüht Fisnik Asllani auf: fünf Tore und zwei Assists in zehn Spielen – damit ist er sogar produktiver als Andrej Kramaric.
Trainer Christian Ilzer scheint das Erfolgsrezept gefunden zu haben. Nach holprigem Start ist die TSG in Fahrt gekommen, defensiv nicht fehlerfrei, aber offensiv brandgefährlich. Am Freitagabend geht’s zum Tabellen-17. nach Mainz – ein Spiel, in dem Hoffenheim den Lauf bestätigen will.
Serie A: Como 1907
Como wurde in den letzten Jahren zum Investorenprojekt – mit entsprechendem Kaderwert. Trotzdem ist der sportliche Aufschwung bemerkenswert: Platz 7, nur einen Punkt hinter Juventus (das Como sogar 2:0 schlug) und vier Zähler hinter den Champions-League-Rängen.

Überraschend ist vor allem die Art des Erfolgs. Como spielt mutig mit knapp 60 Prozent Ballbesitz im Schnitt, nur Inter hält den Ball häufiger. Trainer Cesc Fabregas hat den Klub zu einer passstarken, kontrollierenden Mannschaft geformt. Offensiv ist Nico Paz der Schlüsselspieler: vier Tore und vier Assists – an zwei Dritteln aller Treffer beteiligt.
Das eigentliche Fundament ist aber die Defensive. Sechs Gegentore sind Ligabestwert (geteilt), und Keeper Jean Butez gehört statistisch zu den stärksten Goalies der Serie A. Am Montag wartet Torino auswärts – mit dieser Stabilität ist Como auch dort nicht chancenlos.
La Liga: Espanyol Barcelona
Espanyol pendelte zuletzt zwischen erster und zweiter Liga – jetzt stehen sie nach zwölf Runden sensationell auf Rang 6. Der Kader ist im Vergleich zur Top 5 der Liga ein Leichtgewicht, aber das Team spielt, als hätte es kein Memo über Marktwerte bekommen.

Das 15:15-Torverhältnis wirkt unspektakulär, doch die Leistungsdaten sprechen für Espanyol. Gemäss Expected Goals hätten sie deutlich mehr Tore erzielen müssen und sogar weniger kassieren dürfen. Heisst: Sie erspielen sich Chancen und lassen relativ wenig zu – trotz oft geringer Ballbesitzanteile.
Topscorer ist Pere Milla mit vier Treffern, Roberto Fernández steuerte neben zwei Toren drei Assists bei. Dahinter lebt Espanyol vom Kollektiv, aus dem Edu Expósito als kreativer Impulsgeber herausragt. Am Montag geht es gegen Sevilla mit Sow und Vargas – ein Spiel, das zeigt, ob Espanyol wirklich für Europa reif ist.
Ligue 1: RC Lens
In Frankreich ist die Liga hinter PSG oft ein Würfelspiel – umso stärker wirkt Lens’ Konstanz. Nach dem Verlust mehrerer Leistungsträger seit letztem Winter steht das Team nach zwölf Spieltagen trotzdem auf Platz 3, nur zwei Punkte hinter Paris.

Lens spielt klassischen Aussenseiterfussball: wenig Ballbesitz, hohe Intensität, klare Abläufe. Die stabile Defensive ist das Herzstück – nur elf Gegentore, geteilt beste Abwehr der Liga. Und Goalie Robin Risser hält den Laden zusammen: Laut xG-Modellen hat er bereits mehrere sichere Gegentreffer verhindert.
Vorne tragen Wesley Saïd und Odsonne Édouard die Offensive, beide mit je fünf Treffern. Am Samstag kommt Strassburg, direkt dahinter auf Rang 4 – ein Duell, das für Lens mehr als nur ein weiteres „Überraschungskapitel“ sein könnte.










