Mehr als 300 Such- und Rettungshunde waren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 am World Trade Center im Einsatz. Sie suchten nach Überlebenden und Opfern, spendeten traumatisierten Einsatzkräften Trost und wurden selbst zu Symbolen des Einsatzes. Viele der Tiere waren monatelang in den Trümmern tätig.
Wenn vom 11. September 2001 die Rede ist, stehen meist die menschlichen Opfer und die Einsatzkräfte im Mittelpunkt. Doch neben Feuerwehrleuten, Polizisten und Sanitätern arbeiteten auch zahlreiche Hunde unter extremen Bedingungen in den Trümmern des World Trade Center.
Der Polizeihundeführer Robert Schnelle gehörte mit seinem Hund Atlas zu den ersten Einsatzkräften vor Ort. Als das erste Flugzeug in den Nordturm einschlug, befanden sich die beiden am Einsatzort. 17 Minuten später wurde der Südturm getroffen. Als dieser wenig später einstürzte, mussten Schnelle und Atlas inmitten der herabfallenden Trümmer Schutz suchen.
In den folgenden Monaten kehrten die beiden immer wieder an den Ground Zero zurück. Insgesamt arbeiteten sie dort acht Monate, bis die Bergungsarbeiten Ende Mai 2002 offiziell eingestellt wurden.
Mehr als 300 Hunde waren am Ground Zero im Einsatz
Insgesamt waren nach den Anschlägen mehr als 300 speziell ausgebildete Such- und Rettungshunde am Unglücksort beteiligt. Ihre ausgeprägten Spürfähigkeiten machten sie zu wichtigen Helfern bei der Suche nach Menschen, die unter den Trümmern eingeschlossen waren.
Doch die Aufgabe der Tiere veränderte sich mit dem Verlauf des Einsatzes. Während die Hunde zunächst darauf trainiert waren, lebende Menschen aufzuspüren, wurde aus der Rettungsmission zunehmend eine Bergungsaktion.
Die Veterinärmedizinerin Cynthia Otto war noch am Tag der Anschläge aus Pennsylvania nach New York gereist, um die Tiere medizinisch zu betreuen. laut GMX wurde dabei deutlich, wie schwierig die Situation für die Hunde war: Sie waren darauf vorbereitet, lebende Menschen zu finden, mussten nun aber zunehmend menschliche Überreste aufspüren.
Für die Tiere bedeutete dies eine ungewohnte Belastung. Ihre Arbeit bestand nicht mehr nur darin, Überlebende zu finden, sondern auch Opfer zu lokalisieren, deren Bergung für die Angehörigen und Einsatzkräfte von grosser Bedeutung war.
Suchhunde fanden auch die letzte Überlebende
Einer der wenigen Lichtblicke inmitten der Katastrophe war die Rettung von Genelle Guzman-McMillan. Sie gilt als letzte lebend geborgene Überlebende des World Trade Center.
Die Frau wurde nach rund 27 Stunden unter den Trümmern entdeckt. Bergungshunde hatten ihre Position aufgespürt und damit entscheidend dazu beigetragen, dass sie gerettet werden konnte.
Danach wurden keine weiteren Überlebenden mehr gefunden. Die Hunde übernahmen deshalb zunehmend die Aufgabe, verschüttete Opfer zu lokalisieren.
Auch für die Einsatzkräfte hatten die Tiere eine besondere Bedeutung. Die Hunde waren nicht nur Arbeitsmittel, sondern wurden zu einer emotionalen Stütze für Menschen, die über Wochen mit Tod, Zerstörung und Erschöpfung konfrontiert waren.
Otto erinnerte sich an eine Situation mit der Hündin Logan. Drei Feuerwehrleute sassen erschöpft auf einem Stahlträger, als die Hündin an ihnen vorbeilief. Die Männer streichelten das Tier – und für einen Moment kehrte sichtbar neue Energie zurück.
Bretagne wurde zum Symbol der 9/11-Suchhunde
Eine besondere Geschichte schrieb die Golden-Retriever-Hündin Bretagne. Gemeinsam mit ihrer Besitzerin Denise Corliss war sie als zweijährige Hündin zehn Tage lang am Ground Zero im Einsatz.
Bretagne suchte nach Überlebenden und Opfern und wurde später auch bei weiteren Katastropheneinsätzen eingesetzt. Dazu gehörten unter anderem die Hurrikans Katrina und Rita im Jahr 2005.
Nach ihrer aktiven Dienstzeit begann für Bretagne ein neues Leben. Sie besuchte Schulen, unterstützte Kinder mit Autismus und half Grundschülern bei ihren ersten Leseübungen. 2014 wurde sie für einen Preis nominiert, mit dem besonders heldenhafte Hunde ausgezeichnet wurden.
2016 musste Bretagne wegen Nierenversagens eingeschläfert werden. Ihr Tod löste in den USA grosse Anteilnahme aus. Feuerwehrleute standen vor der Tierklinik Spalier, als die in eine US-Flagge gehüllte Hündin aus dem Gebäude getragen wurde.
In Houston erinnert heute eine Bronzestatue an Bretagne und ihren Einsatz.
Atlas und das Vermächtnis der Rettungshunde
Auch Robert Schnelles Hund Atlas blieb seinem Besitzer nach dem Einsatz noch mehrere Jahre erhalten. Atlas starb 2008.
Für Schnelle war die Bedeutung seines Hundes auch Jahre später untrennbar mit dem Einsatz am Ground Zero verbunden. Atlas habe einfach weitergemacht und seinen Auftrag erfüllt.
Die Geschichte der Suchhunde von 9/11 steht damit für einen oft weniger beachteten Teil der Anschläge vom 11. September. Die Tiere suchten in einer der gefährlichsten und emotional belastendsten Katastrophen der jüngeren US-Geschichte nach Menschen und Opfern – und wurden gleichzeitig zu einem wichtigen Trost für die Einsatzkräfte.






