Das Absetzen von Antidepressiva gilt seit Jahren als große medizinische Herausforderung. Viele Betroffene leiden unter Entzugserscheinungen wie Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Reizbarkeit oder Magenproblemen. Eine neue internationale Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass eine langsame und begleitete Dosisreduktion der sicherste Weg ist, um gravierende Nebenwirkungen und Rückfälle zu vermeiden, laut dailymail.co.uk.
Forscher analysierten dafür mehr als 75 Studien sowie die Gesundheitsdaten von über 17.000 Patientinnen und Patienten. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Wer Antidepressiva abrupt oder zu schnell absetzt, trägt das höchste Risiko für einen Rückfall. Bei diesen Personen lag die Rückfallquote innerhalb eines Jahres bei rund 40 Prozent.
Langsame Dosisreduktion zeigt klare Vorteile
Patienten, die ihre Medikation schrittweise reduzierten und gleichzeitig psychologisch begleitet wurden, konnten ihr Rückfallrisiko um fast 50 Prozent senken. Damit war diese Strategie nahezu genauso wirksam wie eine fortgesetzte Einnahme der Medikamente – allerdings ohne deren langfristige Nebenwirkungen.
Studienmitautorin Dr. Debora Zaccoletti erklärte, dass Antidepressiva zwar effektiv seien, jedoch nicht zwangsläufig eine lebenslange Behandlung erfordern müssten. Eine individuell angepasste Reduktion könne vielen Betroffenen helfen, wieder ein selbstbestimmtes Leben ohne Medikamente zu führen.
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Psychologische Begleitung ist entscheidend
Antidepressiva werden nicht nur bei Depressionen eingesetzt, sondern auch bei Angststörungen, Zwangsstörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen. Besonders bei SSRI-Medikamenten kann das Absetzen starke psychische Reaktionen auslösen.
Experten betonen daher, dass eine strukturierte psychologische Unterstützung während der Reduktionsphase entscheidend ist. Sie hilft Patienten, Ängste zu bewältigen, Rückfälle früh zu erkennen und neue Strategien im Umgang mit Stress und Emotionen zu entwickeln.
Abruptes Absetzen bleibt das größte Risiko
Die Studie zeigt klar: Abruptes Absetzen oder schnelle Dosisreduktionen führen am häufigsten zu Rückfällen. Demgegenüber erzielten langsame Reduktionsstrategien mit therapeutischer Begleitung vergleichbare Erfolge wie eine dauerhafte Medikamenteneinnahme.
Die Forscher fordern daher eine Anpassung internationaler Leitlinien, um Patienten besser zu schützen und individuelle Absetzstrategien stärker zu fördern.










