Ein Forscher kehrt zurück – und findet ein neues Amazonas-Problem vor
Seit Jahrzehnten untersucht der Tropenökologe Daniel Nepstad die Widerstandskraft des Amazonas. Als er 1985 erstmals kontrollierte Brände legte, war die Erkenntnis klar: „Wälder sind ziemlich schwer abzubrennen.“ Doch diese Lektion gilt heute nicht mehr.
Durch den Klimawandel hat sich der Amazonas drastisch verändert – und laut nytimes.com ist der Regenwald inzwischen so trocken, dass bereits kleine Funken riesige Brände entfachen können. Die Zahl der tropischen Primärwaldbrände erreichte im vergangenen Jahr Rekordwerte.
Klimawandel + menschliche Brandlegung = ein explosives Gemisch
Nicht nur die zunehmende Hitze macht den Regenwald anfälliger:
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Bauern roden weiterhin grosse Flächen mit Feuer,
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die Vegetation speichert immer weniger Feuchtigkeit,
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und das Ökosystem verliert seine natürliche Widerstandskraft.
Die Folge: Feuer erzeugt noch mehr Feuer. Ganze Regionen des Amazonas stossen mittlerweile mehr CO₂ aus, als sie binden – ein dramatischer Wendepunkt für den Klimaschutz.
Nepstads Plan: Kleine Verhaltensänderungen, grosse Wirkung
Über seine gemeinnützige Organisation Earth Innovation Institute arbeitet Nepstad mit lokalen Bauern, Wissenschaftlern und Unternehmen zusammen. Die Mission: Waldbrände verhindern, bevor sie entstehen.
Er setzt auf praktische Massnahmen:
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alternative Anbauformen,
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Wiederaufforstung,
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gemeinsame Finanzierung von Maschinen statt Brandrodung,
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Schulungen für Bauern und
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ein mobiles Frühwarnsystem gegen unkontrollierte Feuer.
Sein Ansatz: Wenn viele kleinste Betriebe ihren Umgang mit Feuer ändern, kann sich der Trend umkehren.
Brände bedrohen Leben, Artenvielfalt und Klima
Die Auswirkungen sind verheerend:
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Arten sterben,
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über 40 Millionen Menschen im Amazonasgebiet verlieren ihre Lebensgrundlagen,
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gewaltige CO₂-Mengen gelangen in die Atmosphäre.
Wissenschaftler wie Carlos Nobre warnen, dass der Amazonas kurz davor steht, einen irreversiblen Kipppunkt zu überschreiten. Grosse Waldflächen würden dann dauerhaft zu Grasland werden.
Eine Reise zurück – an die Wurzeln seiner Forschung
Vor dem UN-Klimagipfel in Belém kehrte Nepstad in die Region Paragominas zurück, wo er vor 41 Jahren erstmals forschte. Dort besuchte er Kleinbauern und Grossbetriebe, hörte ihre Erfahrungen und zeigte Lösungen auf.
Viele dort haben in den vergangenen Jahren schmerzliche Verluste erlebt:
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verkohlte Açaí-Plantagen,
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verbrannte Viehweiden,
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tote Nutztiere,
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und immer wieder trockene, unberechenbare Feuer.
Doch Nepstad sieht Fortschritte – und Menschen, die entschlossen sind, Brände künftig zu vermeiden.
Ein kleines Stück Wald, das überlebt hat
Bei seinem Besuch auf der Fazenda Vitória traf Nepstad den Rancher Percio Barros de Lima, der trotz jahrzehntelangen Drucks von Holzindustrie und Landwirtschaft einen Teil seines ursprünglichen Regenwaldes bewahrt hat.
Dort stehen heute noch:
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20 Meter tief verwurzelte Urwaldriesen,
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teils 500 bis 700 Jahre alte Bäume,
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ein Ökosystem voller Jaguare, Brüllaffen, Tukanen und sogar Waldhunden.
Ein seltenes Beispiel dafür, wie Widerstandskraft und nachhaltige Bewirtschaftung zusammen funktionieren können – selbst inmitten zunehmender Brände.
Der Amazonas ist bedroht – aber er kann sich erholen
Trotz aller Brände hat Nepstad eine Lehre aus Jahrzehnten Forschung mitgenommen:
Der Amazonas ist widerstandsfähig.
Er kann sich regenerieren.
Wenn Menschen ihm die Chance dazu geben.










