Die belgische Delen Private Bank baut ihre Präsenz in der Schweiz aus und eröffnet am 3. September einen zweiten Standort in Zürich. Das neue Büro an der Rämistrasse soll zum zweiten Standbein neben Genf werden. Länderchef Thierry de Groote will das Schweizer Geschäft in den kommenden Jahren deutlich vergrössern und schliesst Übernahmen von Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern nicht aus.
Zürich soll zweites Standbein werden
Delen Suisse ist seit 1996 in der Schweiz tätig und war bisher neben dem Hauptsitz vor allem in Genf präsent. Mit dem neuen Büro an der Rämistrasse 16 nahe dem Bellevue will die Privatbank stärker im Wirtschaftsraum Zürich Fuss fassen.
Der Entscheid kommt nach Angaben von Thierry de Groote, der Delen Suisse seit 2017 führt, nicht überraschend. Das Geschäft mit Kunden aus der Region Zürich sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Zudem habe es konkrete Anfragen von bestehenden und potenziellen Kunden gegeben.
Zum Start arbeiten drei Personen am neuen Standort. Mittelfristig könnte das Team auf rund zehn Mitarbeitende wachsen. Delen verfolgt dabei einen langfristigen Ansatz und plant nach eigenen Angaben nicht nur für die kommenden zwei oder drei Jahre.
Milliardenvermögen als langfristiges Ziel
Für Delen Suisse hat de Groote ambitionierte Ziele. In den kommenden zehn Jahren soll sich das Schweizer Geschäft zu einem Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen in Milliardenhöhe entwickeln.
Dabei setzt die belgische Gruppe nicht ausschliesslich auf organisches Wachstum. De Groote kann sich ausdrücklich vorstellen, Schweizer Finanzinstitute oder unabhängige Vermögensverwalter zu übernehmen beziehungsweise mit ihnen zusammenzuarbeiten.
Als mögliche Partner sieht Delen insbesondere kleinere Anbieter, die zunehmend unter hohen Kosten, fehlender Skalierung und Herausforderungen bei der Gewinnung neuer Kunden leiden. Für die Privatbank steht bei möglichen Übernahmen allerdings nicht allein das verwaltete Vermögen im Vordergrund.
Management und Kunden im Fokus
Delen wolle vor allem qualitativ gute Management-Teams und deren Kunden für einen Zusammenschluss gewinnen, erklärt de Groote. Die Kundenvermögen seien dabei eher ein zusätzlicher Vorteil als das alleinige Ziel einer Übernahme.
Als Vorbild dient unter anderem die Expansion der Gruppe in den Niederlanden. Dort ist Delen über mehrere Akquisitionen gewachsen und hat die übernommenen Teams und Kunden in die eigene Plattform integriert.
Ein ähnliches Modell wäre langfristig auch in der Schweiz denkbar. Damit könnte die Gruppe ihr Wachstum beschleunigen und gleichzeitig zusätzliche regionale Kompetenz aufbauen.
Delen verwaltet 84,1 Milliarden Euro
Die Delen Private Bank gehört zu den grösseren europäischen Vermögensverwaltern, ist ausserhalb Belgiens jedoch vergleichsweise wenig bekannt. Per Ende Juni 2026 verwaltete die Gruppe 84,1 Milliarden Euro und beschäftigte mehr als 1200 Mitarbeitende.
Neben Belgien und der Schweiz ist das Unternehmen auch in den Niederlanden, Luxemburg und Grossbritannien tätig. De Groote bezeichnet Delen als einen «Hidden Gem» im europäischen Private Banking.
Das Wachstum der vergangenen Jahrzehnte wurde nach seinen Angaben hauptsächlich organisch erzielt und durch die Entwicklung der Finanzmärkte unterstützt. Akquisitionen spielten demnach eine deutlich kleinere Rolle.
Auch in der Schweiz setzt Delen weiterhin auf Empfehlungen. Rund 70 Prozent des jährlichen Wachstums stammen laut de Groote aus zusätzlichem Vermögen bestehender Kunden und aus Weiterempfehlungen.
Fokus auf Vermögensverwaltung und Planung
Delen grenzt sich im Schweizer Private Banking mit einem bewusst fokussierten Geschäftsmodell ab. Die Gruppe konzentriert sich auf die diskretionäre Vermögensverwaltung und die Vermögensplanung.
Institutionelle Kunden, unabhängige Vermögensverwalter als Kunden sowie ein klassisches Custody-Geschäft gehören dagegen nicht zum vorgesehenen Geschäftsmodell. Im Mittelpunkt stehen Privatkunden und Familien.
Einen festen Mindestanlagebetrag gibt es laut de Groote nicht. Das durchschnittliche Kundenvermögen in der Schweiz liegt nach seinen Angaben bei rund drei bis vier Millionen Franken.
Technologie soll persönliche Beratung stärken
Eine wichtige Rolle spielt bei Delen die eigene Technologie. Die Bank entwickelt grosse Teile ihrer IT selbst und ermöglicht Kunden, über eine digitale Plattform nicht nur Wertschriftenportfolios, sondern ihr gesamtes Vermögen abzubilden.
Dazu können beispielsweise Immobilien, Beteiligungen und Familienstrukturen gehören. Die Technologie soll nach Ansicht von de Groote vor allem dazu beitragen, dass Kundenberater weniger Zeit mit administrativen Aufgaben verbringen und mehr Zeit für persönliche Gespräche haben.
Auch bei der Erfolgsmessung setzt Delen andere Schwerpunkte als viele klassische Banken. Neben finanziellen Kennzahlen spielen beispielsweise die Häufigkeit von Kundentreffen und die Einbindung von Spezialisten für die Vermögens- und Nachfolgeplanung eine Rolle.
Zürich markiert nächste Wachstumsphase
Im Zentrum der Beratung stehen für Delen häufig langfristige Fragen. Dazu gehören die Übertragung von Vermögen innerhalb der Familie, Nachfolgeplanung, Testamente oder die Vorbereitung auf die Pensionierung.
Mit dem neuen Standort in Zürich will Delen seine Nähe zu bestehenden und potenziellen Kunden verbessern. Gleichzeitig eröffnet die Präsenz in der grössten Schweizer Wirtschaftsregion neue Möglichkeiten für weiteres Wachstum.
Die Strategie kombiniert dabei organisches Wachstum mit der Bereitschaft zu Übernahmen. Für Delen Suisse könnte Zürich damit zum Ausgangspunkt einer neuen Expansionsphase im Schweizer Private Banking werden.
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