In Liechtenstein sind rund 31’000 Datensätze aus einem staatlichen Register gestohlen worden. Betroffen ist das Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen (VwbP), das Informationen zu Eigentümern von Gesellschaften und Stiftungen enthält. Die Regierung hat nach dem Angriff einen Krisenstab eingesetzt.
Angriff auf Eigentümerregister sorgt für Ermittlungen
In der Nacht auf den 30. Juli stellte die liechtensteinische Regierung Auffälligkeiten im System des Verzeichnisses wirtschaftlich berechtigter Personen fest. Nach ersten Erkenntnissen wurden rund 31’000 Datensätze entwendet. Das betroffene System wurde daraufhin vom Netz genommen.
Die Regierung setzte einen Krisenstab unter Leitung von Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler ein. Aktuell laufen Untersuchungen, um den Umfang des Angriffs, die Verantwortlichen und den möglichen Verwendungszweck der gestohlenen Informationen zu klären.
Das VwbP ist ein zentrales Eigentümerregister des Fürstentums Liechtenstein. Es enthält Angaben dazu, welche Personen wirtschaftlich hinter Unternehmen, Stiftungen und Treuhänderschaften stehen. Zu den gespeicherten Informationen gehören unter anderem Namen, Staatsangehörigkeit und Geburtsdaten.
Die Daten sind besonders sensibel, da sie ursprünglich zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung erhoben wurden. Zugriff darauf haben grundsätzlich nur zuständige Behörden. Ein unbefugter Zugriff könnte jedoch Einblicke in bisher nicht bekannte Eigentümer- und Vermögensstrukturen ermöglichen.
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Experten warnen vor möglichem Missbrauch
Der deutsche IT- und Datenschutzrechtler Prof. Niko Härting bezeichnet den Vorfall als besonders brisant. Die gestohlenen Informationen könnten zeigen, welche Personen hinter anonymen Firmenstrukturen stehen, die in Liechtenstein über Jahrzehnte eine wichtige Rolle gespielt haben.
Mögliche Szenarien reichen laut Experten von einer Weitergabe der Daten an interessierte Behörden bis hin zu Erpressungsversuchen gegen betroffene Personen. Besonders Personen mit komplexen internationalen Vermögensstrukturen könnten durch die Veröffentlichung oder den Verkauf solcher Daten unter Druck geraten.
Der Fall erinnert an frühere Datenaffären im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung. Besonders bekannt wurde die sogenannte Steuersünder-CD mit Daten von Bankkunden, die deutsche Behörden zur Untersuchung möglicher Steuerdelikte nutzten.
Liechtenstein war nach der internationalen Steueraffäre ab 2008 stark unter Druck geraten und führte in der Folge umfangreichere Transparenz- und Kooperationsregeln ein. Der aktuelle Cyberangriff stellt daher auch die Frage nach der Sicherheit staatlich verwalteter Finanzdaten.
Regierung sieht bislang keine Hinweise auf Lösegeldforderung
Nach Angaben der liechtensteinischen Behörden gibt es derzeit keine Hinweise auf eine Lösegeldforderung. Auch seien die gestohlenen Daten bislang nicht im Darknet aufgetaucht.
Welche Sicherheitslücke von den Angreifern genutzt wurde, ist noch nicht bekannt. Experten weisen darauf hin, dass vollständige Sicherheit bei digitalen Systemen nicht gewährleistet werden könne und staatliche Behörden wie Unternehmen laufend gegen neue Cyberbedrohungen reagieren müssten.
Für Liechtenstein geht es neben der technischen Aufarbeitung auch um das Vertrauen in die staatliche Verwaltung. Das Fürstentum gehört mit rund 41’000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu den kleinsten Staaten Europas, ist aber aufgrund seines Finanzplatzes international von grosser Bedeutung.
Die Ermittlungen sollen nun klären, wer hinter dem Angriff steht und ob die entwendeten Informationen bereits weitergegeben oder missbraucht wurden.






