Während der Pandemie stand das öffentliche Leben still.
Und ausgerechnet diese Zwangspause brachte der Natur eine überraschende Erholung.
Eine neue Studie zeigt: Seen auf der ganzen Welt wurden in dieser Zeit deutlich klarer.
Globales «Echtzeitexperiment» für die Forschung
Ein internationales Forschungsteam untersuchte die Trübung von 774 Seen weltweit zwischen 2017 und 2022.
Beteiligt waren unter anderem Forschende der Eawag – Schweizerisches Wasserforschungsinstitut, der China Agricultural University sowie weitere internationale Partner.
Die Forschenden nutzten Satellitendaten des Copernicus Global Land Service und werteten diese mit statistischen Modellen und künstlicher Intelligenz aus.
Laut myscience.ch sank im Jahr 2020 die maximale Trübung der Seen weltweit im Durchschnitt um 7 Prozent gegenüber 2019. Rund 5.9 Prozent dieses Rückgangs liessen sich direkt auf die Lockdown-Massnahmen zurückführen – unabhängig von Klimaeinflüssen wie Wind oder Niederschlag.
Wo die Seen besonders klarer wurden
Interessant ist vor allem wo die Verbesserung stattfand:
- In Uferzonen
- An Flussmündungen
- In Regionen mit intensiver Landwirtschaft und hoher Bevölkerungsdichte
In der Mitte der Seen hingegen waren kaum Veränderungen messbar. Das zeigt: Die Trübung dort wird stärker durch natürliche Prozesse im See selbst bestimmt als durch menschliche Einflüsse.
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Nachtlichter als Indikator für menschliche Aktivität
Die Forschenden nutzten ein ungewöhnliches Hilfsmittel: Satellitenbilder von Nachtlichtern.
Je dunkler die Erde während der Lockdowns wurde, desto geringer war die menschliche Aktivität – und desto klarer wurde vielerorts das Wasser.
Besonders deutlich war der Effekt unter anderem in:
- China
- USA
- Zentralafrika
- Russland
- Brasilien
In Kanada hingegen spielten klimatische Faktoren wie starke Schneeschmelze eine grössere Rolle als menschliche Einflüsse.
Warum Trübung so wichtig ist
Trübes Wasser lässt weniger Licht in die Tiefe. Das hemmt:
- Pflanzenwachstum
- Sauerstoffbildung am Gewässergrund
- Die gesamte Stabilität des Ökosystems
Die Trübung gilt daher als zentraler Indikator für die Wasserqualität von Seen.
Was die Studie für die Zukunft bedeutet
Die aussergewöhnliche Situation während der Pandemie zeigte laut den Forschenden deutlich:
Menschliche Aktivitäten beeinflussen die Wasserqualität schneller und stärker als bisher messbar war.
Genannt werden mögliche Massnahmen:
- Strengere Abwasserreinigung
- Optimierte Entwässerungssysteme in Städten
- Weniger Bodenerosion in der Landwirtschaft
- Nachhaltigere Landbewirtschaftung
- Konsequenter Gewässerschutz
Mit der Lockerung der Massnahmen ab 2022 stieg die Trübung vieler Seen allerdings rasch wieder an.







