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China verschärft Konflikt mit Japan durch Patrouillen und Warnungen an eigene Bürger

by Daniel Lüdi
Sonntag, 16. November 2025 um 17:06
in Ausland, News, Politik, Top News
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Chinesisches Küstenwachschiff patrouilliert nahe umstrittener Diaoyu/Senkaku-Inseln

China Coast Guard nahe Diaoyu/Senkaku-Inseln (Bildquelle: Kyodo, via Reuters )

China hat seinen diplomatischen Konflikt mit Japan deutlich ausgeweitet. Am Sonntag entsandte Peking Schiffe der chinesischen Küstenwache in die Nähe umstrittener Inseln und veröffentlichte gleichzeitig Warnungen an chinesische Studenten und Reisende in Japan. Die Eskalation folgt auf Bemerkungen der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi zu Taiwan, die China als Provokation wertet – laut nytimes.com.

Patrouillen um umstrittene Inseln

Die chinesische Küstenwache teilte mit, sie habe Schiffe in die Gewässer um die Inselgruppe entsandt, die in China „Diaoyu“ und in Japan „Senkaku“ genannt wird. Die Inseln werden derzeit von Japan verwaltet, aber von China beansprucht.
Während China dort regelmäßig sogenannte „Patrouillen zur Durchsetzung von Menschenrechten“ durchführt, ist dies die erste öffentlich gemeldete Patrouille seit den jüngsten Kommentaren Takaichis zu Taiwan.

Japanische Regierungsvertreter zeigten sich besorgt. Minoru Kihara, ein ranghoher Kabinettsbeamter, bestätigte, Japan habe China aufgefordert, „angemessene Maßnahmen“ zu ergreifen.

China warnt eigene Bürger vor Reisen nach Japan

Bereits am Freitag hatte die chinesische Botschaft in Tokio eine offizielle Reisewarnung ausgesprochen. Sie behauptete „ernste Sicherheitsrisiken“ für chinesische Touristen und Studenten in Japan – ohne konkrete Vorfälle oder Belege zu nennen.

Diese Warnung könnte erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben:
Allein im vergangenen Jahr reisten fast sieben Millionen Chinesinnen und Chinesen nach Japan und machten damit etwa 20 % aller ausländischen Besucher aus.

Auch das chinesische Bildungsministerium warnte Studierende und verlangte eine „sorgfältige Planung“ ihrer Aufenthalte. Angeblich sei es zu Straftaten gegen chinesische Bürger gekommen, jedoch auch hier ohne nachgewiesene Fälle.

Hintergrund: Takaichis Taiwan-Aussage löst Eklat aus

Der Auslöser der jüngsten Spannungen waren Erklärungen der frisch amtierenden Premierministerin Sanae Takaichi. Sie sagte vor dem japanischen Parlament, ein chinesischer Angriff auf Taiwan könnte eine militärische Reaktion Japans auslösen.

Damit überschritt sie eine bisherige diplomatische rote Linie:
Japan hatte Taiwan bislang nie ausdrücklich im Kontext möglicher militärischer Maßnahmen genannt und – ähnlich wie die USA – eine Politik der „strategischen Ambiguität“ verfolgt.

China reagierte scharf. Das Außenministerium forderte Takaichi auf, ihre Worte zurückzunehmen. Xue Jian, Chinas Generalkonsul in Osaka, veröffentlichte sogar eine wütende Drohung in sozialen Medien und sprach davon, Takaichi den „dreckigen Kopf“ abzuschneiden – löschte den Beitrag später jedoch wieder.

Historische Belastung der bilateralen Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Japan und China sind seit Jahrzehnten angespannt. Hauptgründe sind:

  • historische Kriegsverbrechen Japans, darunter das Massaker von Nanjing 1937

  • territorialer Streit um Inseln im Ostchinesischen Meer

  • Japans Sicherheitsallianz mit den USA

  • Chinas zunehmende militärische Präsenz und regionaler Machtanspruch

Die Äußerungen Takaichis beendeten eine kurze Phase der diplomatischen Entspannung, in der sie sich erst vor wenigen Wochen zu einem freundlichen Gespräch mit Chinas Staatschef Xi Jinping getroffen hatte.

China nutzt Tourismus und Studenten als politisches Druckmittel

Beobachter weisen darauf hin, dass China wiederholt Warnungen für Auslandsreisen als politisches Instrument nutzt. Beispiele aus den letzten Jahren:

  • USA (2024): Reisewarnungen im Kontext des Handelskriegs

  • Australien (2020): Warnungen vor angeblichem Rassismus während Corona-Streitigkeiten

  • Südkorea (2017): vollständiges Verbot von Gruppenreisen nach der Stationierung eines US-Raketenabwehrsystems

Eine südkoreanische Studie zeigte, dass das Reiseverbot damals einen wirtschaftlichen Schaden von 6,5 Milliarden Dollar verursachte.

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