Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas wird für die Schweizer Industrie zunehmend zur Herausforderung. UBS-Ökonomen sehen chinesische Unternehmen inzwischen auch in Bereichen wie Maschinenbau und Medizintechnik als wachsende Konkurrenten. Die US-Zölle seien für die Schweizer Wirtschaft dagegen voraussichtlich verkraftbar und dürften nur vorübergehende Folgen haben.
China hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Das Land gilt längst nicht mehr nur als «Werkbank der Welt», sondern baut seine Position in zahlreichen Hochtechnologien aus.
So hat China unter anderem eine eigene Halbleiterindustrie aufgebaut und sich im Automobilsektor stark entwickelt. Gleichzeitig drängen chinesische Unternehmen zunehmend in Branchen vor, die bislang vor allem von westlichen Anbietern geprägt waren.
Nach Einschätzung der UBS betrifft dies unter anderem den Maschinenbau, die Elektrotechnik, die Chemie sowie die Medizintechnik. Gerade für die Schweiz ist diese Entwicklung relevant, weil mehrere dieser Bereiche traditionell zu den Stärken der heimischen Industrie gehören.
Chinesische Firmen suchen stärker den Export
Die UBS-Ökonomen sehen einen wesentlichen Grund für den zunehmenden Exportdruck in China selbst. Teilweise hohe Überkapazitäten und eine schwache Binnennachfrage führen dazu, dass chinesische Unternehmen stärker auf ausländische Märkte ausweichen.
Dadurch verschärft sich der Wettbewerb auf internationalen Märkten. Schweizer Unternehmen stehen damit nicht nur vor der Herausforderung, ihre bisherigen Marktpositionen zu verteidigen, sondern müssen sich auch gegen Anbieter behaupten, die technologisch zunehmend aufholen.
Noch sei die Schweiz allerdings in einer vergleichsweise günstigen Ausgangslage. Ein Grund dafür ist die Struktur der Schweizer Exporte.
Diese konzentrieren sich stark auf hochwertige und spezialisierte Produkte. Dazu gehören insbesondere Pharmazeutika, Präzisionsinstrumente, Uhren und spezialisierte Maschinen. In diesen Bereichen sind chinesische Unternehmen bislang weniger stark vertreten als in anderen Industriezweigen.
Wettbewerbsdruck erreicht Schweizer Kernbranchen
Dieser Vorsprung könnte jedoch kleiner werden. UBS-Ökonomin Meret Mügeli verweist insbesondere auf den Maschinenbau sowie die Präzisions- und Medizintechnik.
Chinesische Anbieter seien auch in diesen Bereichen zunehmend aktiv. Damit nähere sich der Wettbewerb aus China ausgerechnet den Branchen, die für das Schweizer Industriemodell besonders wichtig sind.
Die Schweiz sei deshalb nicht immun gegen die Entwicklung. Der Wettbewerbsdruck aus China «nähert sich dem Kern des Schweizer industriellen Modells», lautet ein zentrales Fazit der UBS-Analyse.
Für die Schweizer Industrie dürfte damit entscheidend sein, wie schnell sie sich technologisch weiterentwickeln und sich mit hochwertigen, spezialisierten Produkten von der internationalen Konkurrenz abheben kann.
US-Zölle dürften weniger stark belasten
Bei den US-Zöllen fällt die Einschätzung der UBS dagegen weniger kritisch aus. Die Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft dürften nach Ansicht der Ökonomen vor allem vorübergehender Natur sein.
UBS-Ökonom Maxime Botteron bezeichnet den Effekt für die Schweizer Industrie insgesamt als verkraftbar. Ein wichtiger Grund dafür sei die starke Bedeutung des Pharmasektors für die Schweizer Exporte. Dieser profitiere von Ausnahmen bei den Zöllen.
Der durchschnittliche Zollsatz liege zudem bei rund sechs Prozent. Auch der Unterschied zum Zollniveau der Europäischen Union sei inzwischen relativ gering.
Aus Sicht der UBS stellt damit weniger die aktuelle Handelspolitik der USA als vielmehr der langfristige technologische und industrielle Aufstieg Chinas die grössere Herausforderung für die Schweizer Wirtschaft dar.
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