Die Verstaatlichung des letzten britischen Primärstahlwerks sorgt für diplomatische Spannungen zwischen Grossbritannien und China. Der frühere Eigentümer Jingye Steel fordert eine Entschädigung und droht mit rechtlichen Schritten. Auch die chinesische Regierung kritisiert das Vorgehen Londons scharf.
Jingye fordert Entschädigung
Die britische Regierung hat die Kontrolle über British Steel übernommen und damit das letzte Primärstahlwerk des Landes verstaatlicht. Betroffen ist das Werk im nordostenglischen Scunthorpe mit rund 3’500 Beschäftigten.
Laut GMX verlangt der frühere Eigentümer Jingye Steel eine vollständige Entschädigung für seine Investitionen. Das chinesische Unternehmen wirft der britischen Regierung vor, internationale Investitionsregeln zu missachten und Vermögenswerte unrechtmässig übernommen zu haben.
Rechtliche Schritte angekündigt
Jingye erklärte, seit der Übernahme im Jahr 2020 erhebliche Investitionen in Anlagen und Technologie getätigt sowie Arbeitsplätze geschaffen zu haben. Das Unternehmen habe deshalb ein Konsultationsverfahren auf Grundlage des bilateralen Investitionsabkommens eingeleitet.
Sollte keine Einigung erzielt werden, behält sich Jingye nach eigenen Angaben weitere rechtliche Schritte bis hin zu einem internationalen Schiedsverfahren vor.
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Auch Peking übt Kritik
Die chinesische Regierung stellte sich hinter das Unternehmen. Das Aussenministerium erklärte, das Vorgehen Londons könne das Vertrauen chinesischer Investoren in den britischen Wirtschaftsstandort nachhaltig beeinträchtigen.
Auch das chinesische Handelsministerium warf Grossbritannien vor, den wirtschaftlichen Beitrag von Jingye zu ignorieren. Peking werde die Entwicklung genau verfolgen und Massnahmen ergreifen, um die Interessen chinesischer Unternehmen zu schützen.
London verweist auf Sicherung der Stahlproduktion
Die britische Regierung hatte die Verstaatlichung mit der Sicherung der nationalen Stahlproduktion und dem Erhalt qualifizierter Arbeitsplätze begründet. Zuvor hatten hohe Verluste bei British Steel zur geplanten Stilllegung der Hochöfen geführt.
Mit der Übernahme will London nach eigenen Angaben die Zukunft der britischen Stahlindustrie langfristig sichern.





