Ein weit verbreiteter Mythos bekommt neue Risse.
Cannabis soll den Testosteronspiegel senken – doch eine aktuelle Studie zeigt ein deutlich anderes Bild.
Die Ergebnisse werfen Fragen auf, die weit über einfache Annahmen hinausgehen.
Studie aus Genf stellt gängige Annahmen infrage
Forscherinnen und Forscher der Universität Genf haben gemeinsam mit dem Schweizerischen Zentrum für angewandte Humantoxikologie (SCAHT) neue Daten ausgewertet.
Untersucht wurden Blutproben von 94 jungen Schweizer Wehrpflichtigen.
Davon waren:
- 47 regelmässige Cannabiskonsumenten
- 47 Nicht-Konsumenten
Kein Abfall – sondern Anstieg von Testosteron
Das überraschende Resultat:
Bei Konsumenten zeigte sich kein niedrigerer, sondern teilweise ein höherer Testosteronwert.
Die Forschenden berichten von einem durchschnittlichen Anstieg von rund 23 Prozent.
Wichtige Differenzierung
Der Effekt trat vor allem in der testikulären Hormonproduktion auf.
Die Nebennieren blieben davon unberührt.
Das deutet auf eine gezielte Wirkung im Bereich der Hoden hin.
Was bedeutet das für die Fruchtbarkeit?
Hier bleibt die Forschung vorsichtig.
Die Studie zeigt ausdrücklich:
- Kein direkter Beweis für bessere oder schlechtere Fruchtbarkeit
- Testosteron allein ist kein verlässlicher Fruchtbarkeitsmarker
- Zusammenhänge sind komplex und nicht abschliessend geklärt
🚨 Breaking News direkt aufs Smartphone
Verpasse keine Eilmeldung mehr – jetzt den imTicker WhatsApp-Kanal abonnieren:
👉 imTicker auf WhatsApp abonnieren
Widersprüchliche Forschungslage
Frühere Studien kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen:
- teils geringere Spermienqualität
- mögliche Einschränkungen bei Beweglichkeit und Anzahl
- Einfluss auf das Endocannabinoid-System
Dieses System spielt eine Rolle in:
- Gehirnprozessen
- Hormonsteuerung
- Fortpflanzungsorganen
Neue biologische Marker entdeckt
Ein weiteres Ergebnis der Studie:
Zwei potenzielle Biomarker wurden identifiziert:
- Hydroxyprogesteron (11B-OHP4)
- Dihydroprogesteron (5B-DHP4)
Diese könnten künftig helfen, regelmässigen Cannabiskonsum im Hormonprofil nachzuweisen.
Vorsicht bei der Interpretation
Die Forschenden betonen mehrere mögliche Erklärungen:
- kompensatorische Hormonreaktionen des Körpers
- mögliche Veränderungen der Rezeptorempfindlichkeit
- genetische Unterschiede zwischen Konsumenten und Nicht-Konsumenten
Ein klarer Kausalzusammenhang ist nicht belegt.
Ein komplexes Bild statt einfacher Antworten
Die Ergebnisse zeigen vor allem eines:
Die Wirkung von Cannabis auf den männlichen Hormonhaushalt ist deutlich komplexer als bisher angenommen.
Langzeitwirkungen und klinische Folgen bleiben offen.






