Der geplante nationale Leitungskataster Schweiz wird vorerst nicht umgesetzt. Der Bundesrat hat die Realisierung an seiner Sitzung vom 2. Oktober 2026 wegen der angespannten finanzpolitischen Lage und veränderter Prioritäten sistiert. Eine spätere Wiederaufnahme bleibt möglich, sofern die Finanzierung gesichert werden kann.
Einheitliche Übersicht über Leitungen fehlt
In der Schweiz sind Ver- und Entsorgungsleitungen heute nicht einheitlich dokumentiert. Auch der Zugang zu den vorhandenen Informationen ist je nach Gebiet unterschiedlich geregelt.
Mit der zunehmenden Nutzung des Untergrunds gewinnt eine bessere Übersicht an Bedeutung. Verdichtetes Bauen, unterirdische Infrastrukturprojekte und die Erschliessung von Geoenergie führen dazu, dass immer mehr Anlagen unter der Erdoberfläche entstehen.
Ein nationaler Leitungskataster sollte diese Infrastruktur schweizweit besser erfassen und damit auch die Sicherheit der Ver- und Entsorgungsnetze erhöhen.
Gesetzesgrundlagen waren bereits vorbereitet
Der Bundesrat hatte swisstopo beauftragt, die notwendigen gesetzlichen Grundlagen für einen nationalen Leitungskataster auszuarbeiten. Die entsprechende Vorlage zur Änderung des Geoinformationsgesetzes wurde 2024 in die Vernehmlassung geschickt.
Die Rückmeldungen fielen laut Bundesrat mehrheitlich positiv aus. Vereinzelt gab es jedoch auch kritische Stimmen von Kantonen, die bereits eigene Leitungskataster eingeführt haben.
Projekt kostet Millionen
Für den Aufbau und den Betrieb des neuen Systems wurden einmalige Kosten von rund 34 Millionen Franken veranschlagt. Hinzu wären jährliche Betriebskosten von etwa 7 Millionen Franken gekommen.
Der Bund hätte sich mit 50 Prozent an den zusätzlichen Kosten beteiligt, die durch neue bundesrechtliche Vorgaben entstanden wären.
Finanzierung derzeit nicht gesichert
Nach Angaben des Bundesrats haben sich die finanzpolitischen Prioritäten von Bund und Kantonen seit der Vernehmlassung Anfang 2024 verändert. swisstopo verfügt derzeit nicht über die notwendigen finanziellen Mittel für die Umsetzung.
Deshalb wird das Projekt vorerst sistiert. Sobald die Finanzierung gesichert werden kann, will der Bundesrat prüfen, ob der nationale Leitungskataster wieder aufgenommen wird. In diesem Fall könnte dem Parlament erneut eine Botschaft zur Änderung des Geoinformationsgesetzes vorgelegt werden.






