Der Bundesrat hat am 2. September 2026 einen Bericht zu den Ursachen des Lehrpersonenmangels und den verfügbaren Datengrundlagen gutgeheissen. Die Analyse zeigt, dass mehrere Faktoren zur angespannten Situation beitragen. Gleichzeitig bestehen auf nationaler Ebene bereits solide statistische Grundlagen, um die Entwicklung zu beobachten und die Kantone bei ihrer Personalplanung zu unterstützen.
Der Bericht «Datenerhebung und Evaluationen im Kontext des Lehrpersonenmangels» wurde im Auftrag des Parlaments erstellt. Damit erfüllt der Bundesrat zwei Postulate der Kommission für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Nationalrates.
Untersucht wurden unter anderem die Ursachen des Lehrpersonenmangels sowie die Gründe, weshalb Lehrpersonen im Beruf bleiben oder ihn verlassen. Zudem sollte geprüft werden, wie sich nationale Schulreformen auf die Belastung und die berufliche Situation von Lehrpersonen auswirken.
Mehrere Faktoren beeinflussen den Lehrpersonenmangel
Der Bericht kommt zum Schluss, dass der Mangel nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden kann. Eine Rolle spielen unter anderem die demografische Entwicklung, strukturelle Merkmale des Lehrberufs sowie die Rahmenbedingungen an den Schulen.
Daneben beeinflussen individuelle Faktoren und die jeweilige Berufsphase die Situation. Die statistischen Analysen weisen insgesamt auf eine hohe berufliche Stabilität hin. Berufsaustritte sind laut Bericht häufig nicht dauerhaft, da viele Lehrpersonen später wieder in den Beruf zurückkehren.
Für die Analyse stützte sich der Bund insbesondere auf Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS). Berücksichtigt wurden unter anderem die Statistik des Schulpersonals, Längsschnittanalysen sowie die Szenarien zur Entwicklung des Lehrkräftebedarfs bis 2034.
Ergänzend flossen wissenschaftliche Studien und Beiträge der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) in den Bericht ein.
Bedarf an Lehrpersonen dürfte sich verändern
Die aktualisierten BFS-Szenarien für die Jahre 2025 bis 2034 zeigen, dass sich der Bedarf an Lehrpersonen mittelfristig verändern dürfte. Ausschlaggebend ist unter anderem die demografische Entwicklung.
Aufgrund sinkender Geburtenzahlen wird ab etwa 2027 insbesondere auf der Primarstufe mit rückläufigen Schülerzahlen gerechnet. Dadurch dürfte auch der Bedarf an neu ausgebildeten Lehrpersonen zurückgehen.
Die Entwicklung ist allerdings nicht in allen Regionen gleich. Regionale Unterschiede bleiben bestehen. Die Kantone müssen deshalb weiterhin vorausschauend planen und ihre Schul- und Personalressourcen an die jeweilige Entwicklung anpassen.
Schulreformen führen nicht automatisch zu mehr Ausstiegen
Ein weiterer Bestandteil des Berichts betrifft die Auswirkungen von Schulreformen auf die Belastung und die berufliche Situation von Lehrpersonen.
Der Bundesrat hält fest, dass es aufgrund der föderalen Zuständigkeiten keine nationalen Schulreformen gibt, die vom Bund flächendeckend umgesetzt und gesamtschweizerisch evaluiert werden. Schulreformen werden grundsätzlich von den Kantonen oder sprachregional koordiniert und bei Bedarf evaluiert.
Die ausgewerteten wissenschaftlichen Arbeiten zeigen laut Bericht zudem nicht, dass Reformen grundsätzlich zu einer höheren Fluktuation unter Lehrpersonen führen. Entscheidend sei vielmehr, wie Veränderungen umgesetzt und begleitet werden.
Belastungen können insbesondere dann entstehen, wenn zusätzliche Anforderungen nicht ausreichend mit Ressourcen und geeigneten Unterstützungsmassnahmen verbunden werden. Auch unklare Zuständigkeiten können die Belastung der Lehrpersonen erhöhen.
Kantone bleiben bei Personalplanung gefordert
Der Bericht sieht auf nationaler Ebene bereits eine solide Datengrundlage zur Beobachtung des Lehrpersonenmangels. Diese kann auch für Massnahmen genutzt werden, die in den Zuständigkeitsbereich der Kantone fallen.
Gleichzeitig haben statistische Verwaltungsdaten Grenzen. Individuelle Gründe für den Verbleib im Lehrberuf oder für einen Berufsausstieg sowie die persönliche Wahrnehmung der beruflichen Belastung lassen sich daraus nur begrenzt ableiten.
Solche Informationen müssen deshalb weiterhin insbesondere durch Erhebungen der Kantone gewonnen werden. Der Bund will die Kantone nach eigenen Angaben mit verlässlichen statistischen Grundlagen sowie mit dem Austausch von Wissen und guter Praxis unterstützen.
Damit richtet sich der Blick neben der aktuellen Personalsituation auch auf die langfristige Entwicklung. Die demografischen Veränderungen könnten den Bedarf an Lehrpersonen in einzelnen Bereichen zwar künftig reduzieren, gleichzeitig bleiben regionale Unterschiede und die Arbeitsbedingungen im Lehrberuf wichtige Faktoren für die Personalplanung.






