Nach der schweren Güterzug-Entgleisung im Gotthard-Basistunnel im Jahr 2023 fordert der Bund strengere Radkontrollen bei Güterwagen. Während Behörden und SBB die Sicherheitsmassnahmen ausbauen, warnen Betreiber vor hohen Zusatzkosten und möglichen Folgen für den Güterverkehr.
Entgleisung im Gotthard-Basistunnel löste neue Kontrollen aus
Im Sommer 2023 ereignete sich im Gotthard-Basistunnel einer der schwersten Zwischenfälle im Schweizer Bahnverkehr der vergangenen Jahre. Ein Güterzug auf der Fahrt von Chiasso nach Basel entgleiste nach einem Radbruch. Insgesamt wurden 23 Wagen aus den Schienen gehoben und beschädigten die Infrastruktur des Tunnels erheblich.
Die Reparaturarbeiten kosteten laut SBB rund 150 Millionen Franken. Als Folge des Unfalls verschärften die SBB und das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Sicherheitsanforderungen für Güterwagen.
Die SBB installierten unter anderem Entgleisungsdetektoren auf der Zufahrtsstrecke zum Gotthard-Basistunnel. Zusätzlich wurden die Kontrollen der Räder von Güterwagen auf der Gotthard-Achse verstärkt.
Mitarbeitende von SBB Cargo überprüfen seither in zusätzlichen Stichkontrollen, ob Wagen technisch einwandfrei sind und keine sicherheitsrelevanten Abnutzungen aufweisen.
Güterwagenhalter wehren sich gegen strengere Vorgaben
Das Bundesamt für Verkehr verlangt inzwischen regelmässigere und umfassendere Radkontrollen für alle Güterwagen, die durch die Schweiz verkehren. Die neuen Anforderungen betreffen damit nicht nur die SBB, sondern sämtliche Betreiber und Halter von Güterwagen.
Gegen diese Verschärfungen haben mehrere Unternehmen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen eingereicht. Das Verfahren ist derzeit noch hängig.
Die Betreiber befürchten zusätzliche Kosten durch den höheren Kontrollaufwand. Zudem warnen sie vor möglichen Engpässen beim verfügbaren Rollmaterial und einer Verlagerung von Gütertransporten auf die Strasse.
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SBB fordern europaweit einheitliche Regeln
Die SBB setzen sich für eine internationale Lösung ein. Viele Güterwagen, die durch die Schweiz fahren, verkehren auf europäischen Nord-Süd-Achsen zwischen verschiedenen Ländern.
«Durch den Gotthard fahren Wagen von den Nordseehäfen bis nach Genua. Es ist essenziell, dass europaweit die Anforderungen verschärft werden», sagte Thomas Bosshard, Leiter Instandhaltung bei SBB Cargo Schweiz, gegenüber dem «SonntagsBlick».
Für die SBB stellt sich zudem eine Haftungsfrage. Zwar gehören viele Güterwagen nicht dem Bahnunternehmen selbst, dennoch kann die Verantwortung bei Schäden beim Frachtführer liegen. Beim Gotthard-Unfall 2023 gehörte der betroffene Wagen nicht der SBB, trotzdem haftete das Unternehmen als Betreiber des Transports.
Mehr Kontrollen, aber bisher kein entdeckter Radbruch
Die zusätzlichen Prüfungen verursachen einen höheren Aufwand. Laut SBB fallen pro Wagen zwischen 10 und 20 Minuten zusätzliche Kontrollzeit an. Zudem wird mehr Personal benötigt.
Die Bahn nutzt dafür auch reguläre Wartungsarbeiten, bei denen Güterwagen ohnehin in Werkstätten überprüft werden. Trotz der verstärkten Kontrollen konnte die SBB bisher jedoch keinen Radbruch vor seinem Auftreten feststellen.
Auch das BAV hat seine Überwachung ausgeweitet. Das Amt führt stichprobenartige Kontrollen bei Güterwagen verschiedener Halter durch.
Im Jahr 2024 kontrollierte das BAV insgesamt 413 Züge mit 6664 Wagen. 2025 waren es 448 Züge mit 7009 Wagen. Für 2026 meldet das Amt bisher rund 3800 überprüfte Wagen.
Dabei wurden wiederholt technische Mängel festgestellt. Einen drohenden Radbruch konnte aber auch das BAV bislang bei keiner Kontrolle im Voraus erkennen.






