Die Börsen bleiben auf hohem Niveau erstaunlich robust. Starke Unternehmenszahlen, Hoffnungen auf eine günstigere Geldpolitik und die Angst, weitere Kursgewinne zu verpassen, treiben viele Anleger zurück in Aktien.
An den internationalen Aktienmärkten bleibt die Kauflaune hoch. Besonders in den USA haben starke Technologieunternehmen die jüngste Rally gestützt. Der S&P 500 erreichte Anfang August ein neues Allzeithoch, während auch der Nasdaq von der Nachfrage nach Technologie- und Wachstumswerten profitiert.
Am Mittwoch setzte sich die grundsätzlich positive Stimmung fort. Der S&P 500 bewegte sich erneut in Richtung Rekordniveau, der Nasdaq legte zu. Neue US-Inflationsdaten sorgten gleichzeitig für Bewegung bei den Anleiherenditen.
FOMO treibt Anleger zurück an die Börse
Neben guten Unternehmenszahlen spielt zunehmend die Psychologie eine Rolle. Viele Investoren wollen nicht riskieren, bei einer weiteren Rally an der Seitenlinie zu stehen.
An der Börse wird dieses Verhalten als FOMO – „Fear of Missing Out“ – bezeichnet. Steigende Kurse ziehen dabei zusätzliche Käufer an, wodurch sich eine Aufwärtsbewegung selbst verstärken kann.
Gerade institutionelle Investoren geraten unter Druck, wenn wichtige Aktienindizes steigen und ihre eigenen Portfolios hinter der Marktentwicklung zurückbleiben.
DAX profitiert von der internationalen Rally
Auch der deutsche Aktienmarkt kann sich dem positiven Umfeld nicht entziehen. Obwohl der DAX deutlich weniger von grossen Technologiekonzernen geprägt ist als die US-Indizes, sorgt die starke Stimmung an der Wall Street auch in Europa für Unterstützung.
Bemerkenswert ist dabei die Widerstandskraft der Märkte. Geopolitische Spannungen, hohe Energiepreise und konjunkturelle Unsicherheiten konnten die Kaufbereitschaft bislang nicht nachhaltig bremsen.
Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten haben zudem Spekulationen über die weitere Geldpolitik verstärkt. Am 7. August erreichte der S&P 500 nach schwächeren Beschäftigungsdaten ein neues Rekordhoch von 7’757,64 Punkten.
Euphorie kann zum Risiko werden
Die Rekordjagd hat allerdings eine Kehrseite. Je stärker Anleger allein wegen steigender Kurse kaufen, desto empfindlicher kann der Markt auf enttäuschende Unternehmenszahlen, neue Inflationsrisiken oder geopolitische Entwicklungen reagieren.
Aktuell zeigt der VIX allerdings keine akute Panik. Das häufig als Angstbarometer bezeichnete Volatilitätsmass fiel am 12. August zeitweise auf 14,82 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Januar.
Damit bleibt das Börsenumfeld ungewöhnlich spannend: Gewinnfantasie und FOMO treiben die Kurse, während die Risiken keineswegs verschwunden sind.
Für Anleger dürfte deshalb entscheidend werden, ob Unternehmensgewinne die hohen Bewertungen weiterhin rechtfertigen können – oder ob die Rekordjagd zunehmend von der Hoffnung auf noch höhere Kurse lebt.
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