Tausende trächtige Stuten dürfen in Island weiterhin zur Gewinnung des Hormons PMSG/eCG genutzt werden. Eine neue Genehmigung für das Unternehmen Ísteka sorgt erneut für heftige Diskussionen über Tierwohl und die Grenzen pharmazeutischer Produktion.
Es ist eine Praxis, die seit Jahren international für Kritik sorgt: In Island wird trächtigen Stuten regelmässig Blut entnommen, um daraus das Hormon eCG, auch als PMSG bekannt, zu gewinnen.
Am 13. Mai 2026 hat die isländische Lebensmittel- und Veterinärbehörde MAST dem Biotechnologieunternehmen Ísteka eine neue, auf zwei Jahre befristete Genehmigung für Blutentnahmen bei trächtigen Stuten erteilt. Die Bewilligung ist mit zusätzlichen Bedingungen zum Schutz der Tiere verbunden.
Warum wird trächtigen Stuten Blut entnommen?
Der Grund liegt in einem Hormon, das während der Trächtigkeit im Blut der Pferde vorkommt. Aus dem Blutplasma produziert Ísteka den pharmazeutischen Wirkstoff eCG/PMSG. Dieser wird in der Veterinärmedizin unter anderem zur Steuerung der Fortpflanzung von Nutztieren eingesetzt.
Nach Angaben von Ísteka werden bei einer einzelnen Blutentnahme fünf Liter Blut gewonnen. Das Unternehmen erklärt, dass die Stuten zuvor von Tierärzten untersucht und die Einstichstellen lokal betäubt würden.
Tierschutzorganisationen kritisieren die Blutgewinnung seit Jahren und veröffentlichten in der Vergangenheit Aufnahmen, die einen teilweise groben Umgang mit den Tieren zeigen sollen.
Ísteka weist die grundsätzliche Kritik an seinen heutigen Tierschutzstandards zurück. Nach eigenen Angaben dürfen nur gesunde ausgewachsene Stuten eingesetzt werden. Das Unternehmen erklärt ausserdem ausdrücklich, dass Fohlen bei den Stuten bleiben dürfen und Abtreibungen nicht erlaubt seien.
Neue Genehmigung unter strengeren Bedingungen
Die aktuelle Bewilligung bedeutet allerdings keinen Freipass. MAST erlaubt die Produktion von PMSG/eCG nur für Anwendungen, bei denen alternative Arzneimittel wissenschaftlich nicht ausreichend geeignet sind.
Zusätzlich wurden Massnahmen vorgesehen, um unter anderem Blutarmut bei den Stuten zu verhindern. Die Behörde kann die Genehmigung zudem erneut überprüfen, falls neue Erkenntnisse vorliegen. Dabei spielt auch eine laufende Bewertung der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA eine Rolle.
Fall beschäftigt inzwischen Europas Justiz
Die Kontroverse reicht mittlerweile über Island hinaus.
Der EFTA-Gerichtshof beschäftigt sich mit der Frage, ob die Blutentnahme bei trächtigen Stuten zur Herstellung von PMSG/eCG als Verfahren mit Versuchstieren im Sinne der europäischen Richtlinie 2010/63/EU einzustufen ist.
Das Verfahren E-24/25 geht auf ein Ersuchen des Bezirksgerichts Südland in Island zurück.
Damit könnte die juristische Bewertung weitreichende Folgen für die Zukunft der isländischen Blutstuten-Produktion haben.
Die Blutgewinnung für eCG wird in Island bereits seit mehr als 40 Jahren praktiziert. Nun wächst jedoch der Druck, grundsätzlich zu klären, ob eine solche Form der Hormonproduktion mit heutigen Anforderungen an den Tierschutz vereinbar ist.






