300 Arbeitsplätze in Gefahr.
Eine Fabrik mit Tradition.
Und der Bund? Schweigt.
Während Experten vor der nächsten Pandemie warnen, steht ein Schweizer Impfstoffstandort kurz vor dem Aus – und niemand will ihn retten.
Janssen zieht sich aus Bern zurück
Der Pharmakonzern Janssen, eine Tochter von Johnson & Johnson, schliesst seinen Standort in Bern-Bümpliz. Betroffen sind bis zu 300 Mitarbeitende, viele davon mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Impfstoffproduktion.
Die Gründe für den Rückzug:
Eingestellte Impfstoffentwicklung gegen Kolibakterien
Verlagerung der Produktion in die Niederlande
Bereits jetzt ist klar: Die Impfstoffproduktion in Bern endet spätestens 2026. Das bestätigte das Unternehmen gegenüber dem Newsportal 20min.ch.
Standort mit langer Geschichte – bald Vergangenheit?
Das Gelände in Bern-Bümpliz ist kein beliebiger Ort. Jahrzehntelang wurden hier wichtige Impfstoffe hergestellt – zunächst durch Berna Biotech, später durch Crucell, schliesslich von Johnson & Johnson.
Doch genau dieses Erbe scheint nun nichts mehr zu zählen.
Verkauf an Drittanbieter offen
Zwar wird laut Janssen ein Verkauf des Standorts an einen Drittanbieter geprüft. Doch bisher gibt es:
Keine Angaben zu Interessenten
Keine Zusagen zur Sicherung der Arbeitsplätze
Ein Szenario, das viele an die schmerzhafte Schliessung von Berna Biotech 2005 erinnert – damals mit folgenschwerer Entscheidung des Bundes, keinen Produktionsausbau mitzufinanzieren.
Der Bund bleibt zurückhaltend
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bedauert die drohende Schliessung, verweist aber auf die Verantwortung der Privatwirtschaft.
Laut BAG seien die Ziele der nationalen Impfstoffstrategie nicht gefährdet – man habe in den letzten Jahren «verstärkt Massnahmen zur Versorgungssicherheit» getroffen.
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Experten warnen vor «teuren Fehlern»
Für Andreas Faller, Mitinitiant der Medizinischen Versorgungsinitiative, wiederholt sich hier ein Fehler aus der Vergangenheit:
«Verglichen mit den Kosten eines einzigen Lockdown-Tages wären Unterstützungsbeiträge für eine Impfstofffabrik gering gewesen. Diese Entscheidung hat man damals später bereut.»
Er fordert keine Verstaatlichung, aber:
verbindliche Impfstoffstrategie
Public-Private-Partnerships
Fördermittel für Forschung & Entwicklung
Was sagt die Politik?
SP-Nationalrätin Sarah Wyss:
„Spätestens seit Covid-19 wissen wir, wie wichtig Produktionsstandorte im Inland sind.“
Sie fordert:
Abnahmeverträge für Impfstoffe
Investitionen in Forschung & Universitäten
Stärkung der Standortattraktivität Schweiz
SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann:
„Mich überrascht das nicht. Die Schweiz wird zunehmend investitionsunfreundlich.“
Er kritisiert:
zu wenig Wachstumsfreiraum für Unternehmen
zu hohe Kosten im Inland
Ein Land, das sich auf Pandemien vorbereiten will, darf keine Impfstofffabriken verlieren.










