Ein geschnittener „Panorama“-Beitrag entfacht einen internationalen Medienkonflikt
Die BBC steht vor einem potenziell beispiellosen Rechtsstreit: Donald Trump, US-Präsident hat rechtliche Schritte gegen den britischen Sender angekündigt.
Grund dafür ist ein TV-Beitrag des Magazins Panorama, der laut Trump seine Aussagen verzerrt wiedergegeben habe.
Trump sieht „ungeheuerliche Manipulation“
In einem Interview mit GB News bezeichnete Trump den Beitrag als „ungeheuerlich“ und kündigte an, dass seine Anwälte nun mit einer Forderung zwischen 1 und 5 Milliarden US-Dollar gegen die BBC vorgehen könnten.
„Sie haben mir die Worte aus dem Mund genommen“, so Trump an Bord der Air Force One gegenüber Reportern.
Der britische Sender hatte zuvor eingeräumt, dass der Beitrag unglücklich geschnitten gewesen sei, jedoch versichert, dies sei nicht vorsätzlich geschehen. Die BBC erklärte ausserdem, dass die Sendung nicht in den USA ausgestrahlt wurde, weshalb sie keinen nachweisbaren Schaden für Trump verursacht habe.
BBC lehnt Entschädigung klar ab
Laut bbc.com hat die BBC eine Entschädigung entschieden abgelehnt. Gebührengelder für eine aussergerichtliche Einigung mit Trump zu verwenden, sei intern wie extern als „völlig abwegig“ bewertet worden.
Ein früherer BBC-Manager erklärte:
„Sie haben die richtige Entscheidung getroffen.“
Gleichzeitig warnte er davor, die Kosten für einen langen Prozess zu unterschätzen – und riet der BBC, sich „die besten Anwälte Floridas“ zu sichern.
Strategische Ablenkung in kritischer Phase
Die Klageandrohung trifft die BBC in einer sensiblen Phase: Die Gespräche zur Erneuerung der BBC-Charta, die den öffentlich-rechtlichen Auftrag, die Finanzierung und die Unabhängigkeit der BBC bis 2028 regeln sollen, laufen auf Hochtouren.
Mit dem Rücktritt von Generaldirektor Tim Davie und dem Nachrichtenchef fehlt nun die Führungsspitze, die den Prozess hätte steuern sollen. Stattdessen muss sich der Sender nun mit einem kostspieligen transatlantischen Rechtsstreit beschäftigen – verbunden mit Imageverlust und politischem Druck.
Wie geht es jetzt weiter?
Die BBC bleibt bislang standhaft. Eine Entschuldigung wurde ausgesprochen, aber eine Zahlung lehnt sie kategorisch ab. Politische Unterstützung gibt es nur zögerlich:
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Premierminister Keir Starmer hält sich bisher bedeckt.
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Kulturministerin Lisa Nandy hingegen verteidigte die BBC öffentlich und nannte sie ein „Licht in dunklen Zeiten“.
Trump hingegen eskaliert die Rhetorik: Auf X bezeichnete er die BBC als „schlimmer als Fake News“ und wirft dem Sender Korruption vor.
Fazit: Medienfreiheit unter Druck
Was als journalistischer Fehler begann, könnte sich zu einem der grössten Medienprozesse des Jahrzehnts entwickeln. Für die BBC steht mehr auf dem Spiel als nur Geld – es geht um Glaubwürdigkeit, Vertrauen und die künftige Ausrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Grossbritannien.










