Kontaktlos, digital oder klassisch? So verändert sich das Zahlungsverhalten.
Bargeld war lange das Mass der Dinge – doch die Schweiz hat ihr Bezahlverhalten rasant verändert. Mobile Payment, Twint, Kreditkarten oder klassische Scheine: Die Vielfalt an Zahlungsmöglichkeiten wächst, und mit ihr die Unterschiede im Alltag. Wie bezahlt die Schweiz 2025 wirklich? Und was bedeutet das für Konsum, Sicherheit und Gesellschaft? Dieser Bericht liefert Einblicke in Zahlen, Trends und Perspektiven.
Noch vor zehn Jahren galt die Schweiz als Hochburg des Bargelds. 2015 zahlten über 70 % der Menschen ihre Alltagsausgaben mit Münzen und Scheinen. Doch technologische Entwicklungen, die Pandemie und das Aufkommen nationaler Zahlungsapps wie Twint haben das Bild verändert.
Heute dominieren digitale Zahlungen den Alltag. Kartenterminals, QR-Codes, Mobile Wallets und Online-Banking haben Bargeld vielerorts verdrängt – vor allem in urbanen Regionen. Gleichzeitig gibt es weiterhin ein starkes Vertrauen in physisches Geld, besonders bei älteren Generationen oder in ländlichen Gebieten.
Laut der Zahlungsstudie 2025 der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zahlen nur noch rund 18 % der Konsument:innen primär mit Bargeld – 2020 waren es noch 43 %. Am stärksten vertreten sind:
Karten (Debit/Kredit): 49 %
Mobile Payment (Twint, Apple Pay etc.): 28 %
Bargeld: 18 %
Andere (Gutscheine, Rechnungen): 5 %
Besonders Twint hat sich in der Schweiz fest etabliert: Über 4 Millionen aktive Nutzer:innen verwenden die App für Parkgebühren, Restaurantbesuche, private Überweisungen oder Automaten. In Städten wie Zürich, Bern oder Basel liegt der Mobile-Payment-Anteil bei über 60 %.
Doch Bargeld ist nicht verschwunden: Auf Wochenmärkten, in Dorfläden oder bei älteren Menschen bleibt es präsent – als Mittel der Übersicht, Kontrolle und Sicherheit.
85 % aller Geschäfte in der Schweiz akzeptieren inzwischen kontaktloses Bezahlen – 2017 waren es erst 38 %.
Twint verzeichnet mehr Transaktionen pro Tag als Apple Pay und Google Pay zusammen – rund 2,1 Millionen Zahlungen täglich.
Der Barbestand in Umlauf ist dennoch hoch: Über 90 Milliarden Franken befinden sich weiterhin als Noten im Umlauf – vor allem gehortet.
Eine Umfrage von Comparis (2025) zeigt: 72 % der Menschen wollen, dass Bargeld „dauerhaft erhalten bleibt“ – auch wenn sie es seltener nutzen.
Sicherheitsrelevant: Mobile Zahlungen sind nachweislich sicher, solange Zwei-Faktor-Verfahren aktiv sind. Die häufigste Betrugsquelle bleibt: Social Engineering.
Für viele bedeutet digitales Bezahlen Bequemlichkeit: Ein Griff zum Smartphone, ein Pieps – bezahlt. Kein Münzgeld, kein Suchen nach der richtigen Note. Doch andere fühlen sich vom Tempo überrollt, empfinden Bargeld als „ehrlicher“, greifbarer, weniger kontrollierbar.
Besonders bei Kindern, älteren Menschen oder in Flüchtlingssituationen zeigt sich, dass Zugang zu Bargeld auch Teil von Inklusion und Teilhabe ist. Manche Schweizer:innen horten Noten – nicht aus Nostalgie, sondern aus Misstrauen gegenüber digitalen Systemen oder Krisenszenarien.
Die Schweiz bewegt sich in Richtung digitale Zahlungszukunft – schnell, aber nicht kompromisslos. Bargeld bleibt Bestandteil der Kultur, doch die Realität gehört Karten und Apps. Entscheidend bleibt der Zugang: Wer frei wählen kann, zahlt souverän – unabhängig vom Medium.






