In Russland häufen sich Begegnungen zwischen Braunbären und Menschen. Allein im Gebiet Krasnojarsk wurden im September sechs Todesfälle im Zusammenhang mit Bären gemeldet. Nun ermitteln die Behörden wegen möglicher Fahrlässigkeit.
Nach mehreren tödlichen Bärenangriffen in Sibirien haben regionale Ermittler im russischen Gebiet Krasnojarsk ein Strafverfahren wegen möglicher Fahrlässigkeit eingeleitet. Verantwortliche im regionalen Umweltministerium und an anderen Stellen sollen trotz zahlreicher Warnungen nicht ausreichend gegen das zunehmende Auftreten der Tiere in bewohnten Gebieten vorgegangen sein.
Allein im September wurden in der Region sechs Todesfälle im Zusammenhang mit Bären gezählt. Laut GMX erklärte das russische Ermittlungskomitee, der Braunbärenbestand im Gebiet Krasnojarsk sei inzwischen auf mehr als 26’000 Tiere angewachsen.
Mehr als 120 Meldungen über Bären
Nach Angaben der Ermittler gingen bei den Behörden mehr als 120 Meldungen über Braunbären ein, die in Ortschaften gesichtet worden seien. Die Tiere tauchten demnach unter anderem auf Strassen und in Gärten auf.
Russland ist aufgrund seiner grossen Fläche Lebensraum für zahlreiche Braun- und Eisbären. Begegnungen mit den Wildtieren führen immer wieder zu Angriffen auf Menschen, teilweise mit tödlichem Ausgang.
Seit Wochen gibt es aus verschiedenen Regionen des Landes Berichte über Bären, die in bewohnte Gebiete vordringen. Mitte August wurde beispielsweise eine 29-jährige Camperin von einem Bären aus ihrem Zelt gezogen und getötet.
Im Gebiet Krasnojarsk kamen bei verschiedenen Angriffen zudem zwei Pilzsammlerinnen ums Leben. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass zählt inzwischen 17 tödliche Begegnungen zwischen Menschen und Bären.
Futtermangel könnte Bären in Ortschaften treiben
In sozialen Netzwerken verbreiten sich zahlreiche Videos von Bären in bewohnten Gebieten. Darauf sind die Tiere unter anderem auf Strassen, in Gärten und sogar innerhalb von Gebäuden zu sehen.
Die Behörden nennen mehrere mögliche Gründe für das zunehmende Auftreten. Tatjana Aramilewa, eine für die Bestandsregulierung zuständige Direktorin im Umweltministerium, erklärte gegenüber Tass, im Föderationskreis Sibirien werde von einem weitgehenden Ausfall der natürlichen Nahrungsquellen ausgegangen.
Futtermangel könnte demnach dazu führen, dass die Bären auf der Suche nach Nahrung näher an Menschen herankommen. Auch illegale Mülldeponien und das gezielte Füttern von Wildtieren könnten die Tiere an menschliche Siedlungen gewöhnen.
Besonders hoher Nahrungsbedarf im Herbst
Für Braunbären ist die Zeit vor der Winterruhe besonders wichtig. Die Tiere müssen sich ausreichend Fettreserven anfressen und haben deshalb im Herbst einen besonders hohen Nahrungsbedarf.
Gleichzeitig ist die Zahl der Bären in Russland nach Angaben Aramilewas deutlich gestiegen. Demnach wuchs der Bestand innerhalb von 15 Jahren von rund 182’000 auf etwa 308’000 Tiere.
Jäger beklagen zudem strenge Vorschriften für die Bärenjagd. Die Behörden stehen damit vor der Herausforderung, den wachsenden Bestand zu regulieren und gleichzeitig gefährliche Begegnungen zwischen Wildtieren und Menschen zu verhindern.
Das nun eingeleitete Strafverfahren soll klären, ob Verantwortliche trotz der Warnungen nicht ausreichend gehandelt haben.






