Apple arbeitet offenbar an AirPods mit integrierten Kameras, die Siri visuelle Informationen aus der Umgebung liefern sollen. Ein versehentlich veröffentlichtes Video in einer Vorabversion von macOS zeigt erstmals, wie die Funktion aussehen könnte. Die Kameras sollen dabei nicht als klassische Foto- oder Videokameras dienen.
Verstecktes Apple-Video zeigt Kamera-AirPods
Das Techportal MacRumors hat in einer Vorabversion von Apples kommendem Mac-Betriebssystem ein rund 13 Sekunden langes Video entdeckt. Darin hält ein Mann ein Buch hoch und richtet seine AirPods darauf. Eine Stimme erklärt, dass Gesehenes mithilfe visueller KI für später gespeichert beziehungsweise nutzbar gemacht werden kann.
Der Fund liefert erstmals einen konkreten visuellen Hinweis auf Apples Pläne. Über entsprechende Entwicklungen war zuvor bereits berichtet worden. Bloomberg-Journalist Mark Gurman hatte Apples Arbeit an AirPods mit Kameras öffentlich gemacht.
Die geplante Technik unterscheidet sich allerdings von klassischen Kameras. Nach den bisherigen Informationen sollen die Sensoren nicht dazu dienen, laufend Fotos oder Videos aufzunehmen. Stattdessen sollen sie visuelle Informationen über die Umgebung erfassen und an Apples KI-Systeme weitergeben.
Damit könnten die AirPods gewissermassen zu den Augen von Siri werden. Der Sprachassistent könnte dadurch nicht nur auf gesprochene Fragen reagieren, sondern auch berücksichtigen, was die Nutzerin oder der Nutzer gerade vor sich sieht.
AirPods sollen bei Alltag und Navigation helfen
Die möglichen Einsatzbereiche sind vielfältig. Wer beispielsweise vor einem Kühlschrank steht, könnte Siri fragen, was sich mit den vorhandenen Lebensmitteln kochen lässt. Die KI könnte dabei berücksichtigen, welche Gegenstände oder Produkte vor der Person zu sehen sind.
Auch bei der Navigation wären Anwendungen denkbar. Ein sichtbares Gebäude, ein Geschäft oder ein anderes markantes Objekt könnte als Orientierungspunkt dienen. Siri könnte dann anhand dieses visuellen Kontextes genauer erklären, wo die Nutzerin oder der Nutzer abbiegen soll.
Äusserlich sollen sich die neuen AirPods offenbar nur wenig von den bisherigen AirPods Pro unterscheiden. Die Stiele könnten etwas länger ausfallen, um zusätzliche Technik und die Kameras unterzubringen.
Apple würde damit einen anderen Weg einschlagen als Anbieter von KI-Brillen. Die Nutzer müssten kein neues Gerät tragen, sondern könnten eine Technik verwenden, die in ein bereits etabliertes Produkt integriert ist.
Seit der Einführung der AirPods im Jahr 2016 hat Apple nach Angaben von Statista mehr als 500 Millionen Exemplare verkauft. Damit verfügt der Konzern über eine grosse bestehende Nutzerbasis für mögliche neue KI-Funktionen.
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Datenschutz wird zur zentralen Frage
Gerade die unauffällige Bauweise könnte allerdings neue Datenschutzfragen aufwerfen. Bei einer Smartphone-Kamera ist für andere Personen meist erkennbar, dass jemand filmt oder fotografiert. Bei AirPods mit integrierten Kameras wäre dagegen kaum sichtbar, wann die Sensoren tatsächlich Informationen aus der Umgebung erfassen.
Bloomberg berichtete deshalb über Überlegungen von Apple, eine kleine Anzeigeleuchte in die Kopfhörer zu integrieren. Diese soll signalisieren, wenn visuelle Daten zur Verarbeitung in die Cloud übertragen werden.
Offen ist allerdings, ob eine solche Anzeige für Personen in der Umgebung tatsächlich ausreichend sichtbar wäre. Ebenso ist nach den bisher bekannten Informationen nicht abschliessend geklärt, wie lange visuelle Informationen verarbeitet werden und welche Möglichkeiten Personen haben, die unbeabsichtigt von den Sensoren erfasst werden.
Damit dürfte der Datenschutz zu einer der wichtigsten Fragen werden, sollte Apple die Kamera-AirPods tatsächlich auf den Markt bringen. Besonders relevant wäre dabei, wie transparent das Unternehmen gegenüber Nutzerinnen, Nutzern und deren Umfeld mit der Datenerfassung umgeht.
John Ternus übernimmt Apple-Führung
Die Entwicklung fällt zudem in eine wichtige Phase für Apple. John Ternus soll am 1. September die Führung des Konzerns von Tim Cook übernehmen. Ternus verantwortet bereits die Entwicklung zahlreicher neuer Produkte und soll damit auch die weitere technologische Ausrichtung von Apple prägen.
Zu den berichteten Projekten gehören neben den Kamera-AirPods unter anderem ein faltbares iPhone und neue Geräte für das vernetzte Zuhause. Die Produkte stehen gleichzeitig im Zusammenhang mit Apples Bemühungen, seine Position bei Künstlicher Intelligenz auszubauen.
Wann die AirPods mit Kameras tatsächlich erscheinen, ist derzeit nicht offiziell bekannt. Frühere Berichte nannten eine Markteinführung Ende 2027. Neuere Hinweise könnten jedoch darauf hindeuten, dass Apple die Entwicklung schneller vorantreibt.
Sollte das Produkt früher erscheinen, könnte es zu einem der ersten sichtbaren Beispiele dafür werden, wie Apple seine KI-Technologie direkt in Alltagsgeräte integriert. Ob daraus ein konkretes Serienprodukt wird und welche Funktionen tatsächlich verfügbar sein werden, bleibt abzuwarten.






