Die Angst ist zurück.
Als sich die MV Hondius den Kanarischen Inseln nähert, erinnern sich viele Menschen auf Teneriffa an die ersten Tage der Covid-Pandemie.
Wut, Unsicherheit und Misstrauen prägen derzeit die Stimmung auf der Ferieninsel.
Proteste vor der Ankunft des Kreuzfahrtschiffs
Am Freitag versammelten sich Hafenarbeiter vor dem Parlamentsgebäude der Kanarischen Inseln in Santa Cruz.
Mit Trillerpfeifen, Vuvuzelas und Transparenten protestierten sie gegen die geplante Ankunft der MV Hondius.
An Bord des Kreuzfahrtschiffs kam es zuvor zu einem Hantavirus-Ausbruch.
Drei Personen mussten bereits auf den Kapverdischen Inseln medizinisch evakuiert werden.
Hafenarbeiter fordern Schutzmassnahmen
Viele Beschäftigte fühlen sich nach eigenen Angaben schlecht informiert.
Die Gewerkschafterin Joana Batista kritisierte insbesondere fehlende Sicherheitsvorkehrungen im Hafen.
Einige Hafenarbeiter drohten sogar damit, die Ankunft des Schiffes zu blockieren.
Ihre zentrale Forderung:
- klare Sicherheitskonzepte
- transparente Informationen
- Schutz für Hafenpersonal
- klare Transportwege für Passagiere
Regierung und WHO versuchen zu beruhigen
Die spanische Regierung erklärte gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass die Situation unter Kontrolle sei.
Das Kreuzfahrtschiff soll nicht direkt im Hafen von Teneriffa anlegen.
Stattdessen wird die MV Hondius vor der Küste ankern.
Die Passagiere sollen anschliessend mit Fähren in den Industriehafen von Granadilla gebracht werden.
Dieser liegt weit entfernt von Wohngebieten.
Kein Kontakt zur Bevölkerung geplant
Laut den Behörden sollen Einheimische vollständig geschützt werden.
Die Reisenden würden nach ihrer Ankunft entweder repatriiert oder — im Fall der spanischen Staatsangehörigen — nach Madrid zur Quarantäne gebracht.
Virginia Barcones vom spanischen Zivilschutz betonte:
- kein direkter Kontakt zur Bevölkerung
- kontrollierter Transfer der Passagiere
- medizinische Überwachung
- koordinierte Sicherheitsmassnahmen
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Viele Inselbewohner fühlen sich übergangen
Auf Teneriffa geht die Debatte längst über das Kreuzfahrtschiff hinaus.
Für viele Bewohner steht die Situation symbolisch für eine grössere Überforderung der Inseln.
Immer wieder geraten die Kanaren wegen internationaler Krisen in den Fokus.
Migration verschärft die Spannungen
Besonders emotional wird die Diskussion durch die anhaltende Migration über den Atlantik.
Laut der NGO Caminando Fronteras starben allein 2025 mehr als 3.000 Menschen auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln.
Viele Einheimische empfinden die Inselgruppe zunehmend als Belastungsgrenze Europas.
Die Ernährungswissenschaftlerin María de la Luz Sedeño erklärte während der Proteste, die Bevölkerung werde von Madrid nicht ernst genommen.
Auch der kanarische Regionalpräsident Fernando Clavijo hatte sich kritisch zur Ankunft des Schiffs geäussert.
Erinnerungen an Covid werden wach
Für zahlreiche Menschen auf Teneriffa weckt die Situation unangenehme Erinnerungen.
Während der frühen Phase der Covid-Pandemie wurde ein Hotel auf Teneriffa unter Quarantäne gestellt, nachdem dort ein deutscher Tourist positiv getestet worden war.
Damals mussten rund 1.000 Gäste und Mitarbeitende isoliert werden.
Heute befürchten viele erneut internationale Schlagzeilen und gesundheitliche Risiken.
Einige Bewohner bleiben dennoch ruhig
Nicht alle reagieren panisch.
Die Rentnerin Marialaina Retina Fernández erklärte, sie habe mittlerweile mehr Vertrauen in die Behörden.
Sie verwies auf die gute medizinische Infrastruktur der Inseln.
Viele Menschen hoffen nun, dass die Sicherheitsmassnahmen tatsächlich ausreichen.
Politische Instrumentalisierung nimmt zu
Auch politisch sorgt die Situation für Streit.
Die rechte Partei Vox nutzt die Debatte bereits für Kritik an der spanischen Regierung.
Dabei zieht die Partei Vergleiche zwischen der Ankunft des Kreuzfahrtschiffs und illegaler Migration.
Die Zentralregierung weist solche Vergleiche zurück.
WHO und spanische Behörden versuchen zugleich, Vergleiche mit Covid möglichst kleinzuhalten






