Es sollte eine stille Nacht des Gedenkens werden – doch sie endete mit Gewalt.
In Rom wurden vier junge Aktivisten der Nationalen Jugend angegriffen. Die politischen Reaktionen lassen erkennen, wie tief die Wunden von Acca Larentia bis heute reichen.
Was am Vorabend des Gedenkens geschah
Am Donnerstagabend, dem 6. Januar 2026, gegen 22 Uhr, wurden in der Nähe eines Supermarkts im römischen Viertel Alberone vier Mitglieder der Nationalen Jugend von einer Gruppe maskierter und bewaffneter Männer attackiert.
Die Täter – laut Zeugenaussagen etwa zehn Personen – seien mit Knüppeln, Messern und Speeren ausgerüstet gewesen und hätten die Jugendlichen gezielt überfallen. Einer der Betroffenen wurde verletzt und später mit Schwellungen in gelber Warnstufe ins Spital gebracht.
Die Gruppe hatte sich offenbar am Parkplatz in der Via Tuscolana aufgehalten, möglicherweise zur Vorbereitung auf das jährliche Gedenken an die Ereignisse von Acca Larentia. Laut einem Bericht von ansa.it, der sich auf polizeiliche Quellen beruft, prüft die römische Spezialabteilung DIGOS derzeit Videoaufnahmen, die den Angriff dokumentieren könnten. Ein erster Bericht wurde an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
Erinnerung an ein düsteres Kapitel: Acca Larentia 1978
Am 7. Januar 1978 wurden in der Via Acca Larentia in Rom die drei Jugendlichen Francesco Ciavatta (18), Franco Bigonzetti (19) und Stefano Recchioni (20) erschossen – mutmasslich von Linksterroristen der „Nuclei Armati per il Contropotere Territoriale“. Das Ereignis markiert einen der blutigsten Momente der italienischen Nachkriegspolitik.
Die 48. Gedenkfeier fand am Morgen des 7. Januar 2026 in Appio Latino statt, mit Kranzniederlegungen von der Region Latium und der Stadt Rom vor dem ehemaligen Parteibüro der neofaschistischen MSI.
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Politische Reaktionen: Empörung und Appelle zur Besonnenheit
Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Vorfälle deutlich und mahnte:
„Wenn Protest in Aggression umschlägt, verliert die Demokratie.“
Sie erinnerte an die Notwendigkeit einer „wahren und endgültigen nationalen Befriedung“ und warnte davor, dass die Grenze zwischen politischer Konfrontation und Hass gefährlich verschwimmen könne.
Auch Francesco Rocca, Präsident der Region Latium, legte öffentlich einen Kranz nieder und betonte die Bedeutung des Gedenkens – fernab jeglicher politischer Vereinnahmung. Auf Kritik aus dem linken Spektrum, die Demonstrationen am Abend als rechtsextreme Machtdemonstrationen bezeichnen, reagierte er ausweichend:
„Wir gedenken der Gefallenen – das ist keine politische Botschaft.“
Zwischen Gedenken und Ideologie
Doch gerade diese politische Spannung prägte die Gedenkfeier.
Fabio Rampelli, stellvertretender Präsident der Abgeordnetenkammer, sprach von einem „geplanten Angriff durch ein kommunistisches Kommando“ und verwies auf sichergestellte Funkgeräte. Es habe sich um eine gezielte Hetzjagd gegen junge Rechte gehandelt, die – seiner Aussage nach – seit Jahrzehnten die Nacht vor dem 7. Januar als Gedenktag begehen.
Dem entgegnete der Parlamentarier Angelo Bonelli (Europa Verde) mit scharfer Kritik:
„Wenn sich Hunderte Neofaschisten mit römischem Gruss und keltischen Kreuzen versammeln, ist jeder Friedensappell heuchlerisch.“
Er betonte, dass wahre Befriedung nur über die klare Abgrenzung gegenüber faschistischem Gedankengut möglich sei – auch und gerade an einem Tag wie diesem.
Linke Gruppen fordern Entfernung neofaschistischer Symbole
Am Morgen des 7. Januars wurden mehrere Plakate und Transparente mit rechtsextremen Symbolen im Stadtteil Appio gefunden – mit Aufschriften wie „Jedes Jahr werdet ihr die Botschaft hören“.
Giovanni Barbera, Sprecher der Kommunistischen Neugründung, forderte die sofortige Entfernung aller neofaschistischen Plakate und warf den Veranstaltern vor, „öffentlichen Raum für verfassungswidrige Ideologien zu missbrauchen“.
Fazit: Erinnerung zwischen Mahnung und Eskalation
Der Angriff am Vorabend des Acca-Larentia-Gedenkens zeigt, dass die Spaltung in der politischen Erinnerungskultur Italiens nicht überwunden ist.
Was ursprünglich ein Moment des stillen Gedenkens sein sollte, wurde von Gewalt und gegenseitigen Schuldzuweisungen überschattet.










