Grossbritannien bekommt mit Andy Burnham einen neuen Premierminister. Nach Jahren voller Regierungskrisen, wechselnder Regierungschefs und politischer Spannungen steht der Labour-Politiker vor einer grossen Herausforderung: Er soll das Vertrauen in die Regierung zurückgewinnen und gleichzeitig den Aufstieg der rechten Reform-Partei bremsen.
Siebter Premier seit 2016: Grossbritannien sucht Stabilität
Andy Burnham übernimmt die britische Regierung in einer politisch schwierigen Phase. Der Labour-Chef wird am Montag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt und zieht damit in die berühmte Downing Street Nummer 10 ein.
Nur wenige Gehminuten entfernt befinden sich die Churchill War Rooms, ein Museum, das an die Regierungszeit von Winston Churchill während des Zweiten Weltkriegs erinnert. Churchill gilt vielen Britinnen und Briten bis heute als Symbol für die historische Bedeutung des Premierministeramts.
Dieses Ansehen hat in den vergangenen Jahren jedoch deutlich gelitten. Burnham ist bereits der siebte Premierminister seit 2016 – eine Folge von politischen Krisen, Skandalen und innerparteilichen Konflikten.
Laut GMX steht Burnham vor der schwierigen Aufgabe, nach Jahren politischer Instabilität wieder Vertrauen in die britische Regierung und das Amt des Premierministers aufzubauen.
Brexit, Skandale und kurze Amtszeiten prägten die Politik
Die vergangenen Jahre waren für Grossbritannien von zahlreichen politischen Erschütterungen geprägt. David Cameron trat nach dem Brexit-Referendum zurück, Theresa May scheiterte an der Umsetzung des Austritts aus der Europäischen Union.
Besonders in Erinnerung blieb die Amtszeit von Boris Johnson. Während der Corona-Pandemie sorgte der sogenannte „Partygate“-Skandal für massive Kritik, nachdem Regierungskreise trotz strenger Regeln an Feiern teilgenommen hatten.
Auch Liz Truss schrieb Geschichte – allerdings aus einem unerwünschten Grund. Ihre Amtszeit dauerte nur wenige Wochen und wurde unter anderem durch wirtschaftliche Turbulenzen geprägt. Eine britische Boulevardzeitung machte daraus einen viel beachteten Vergleich mit einem Salatkopf, der länger durchhielt als die damalige Premierministerin.
Der politische Verschleiss setzte sich auch unter Rishi Sunak und zuletzt Keir Starmer fort. Die Folge ist eine zunehmende Enttäuschung vieler Wählerinnen und Wähler gegenüber den traditionellen Parteien.
Burnhams doppelte Herausforderung
Burnham selbst räumte nach seiner Wahl zum Labour-Chef ein, dass die politische Generation um ihn herum Fehler gemacht habe. Sie habe es nicht geschafft, eine politische Kultur und ein Wirtschaftsmodell zu verändern, das für viele Menschen nicht ausreichend funktioniere.
Nun steht der 56-Jährige vor einer doppelten Aufgabe. Einerseits muss er Labour wieder stärken und den Verlust von Unterstützung an die rechtspopulistische Partei Reform UK verhindern.
Andererseits muss er beweisen, dass Grossbritannien wieder verlässlich regiert werden kann. Genau diese Kombination macht seine Aufgabe besonders schwierig.
Während frühere Regierungswechsel meist dazu führten, dass die jeweils andere grosse Partei übernehmen konnte, ist die aktuelle Situation komplexer. Reform UK unter Nigel Farage hat in Umfragen deutlich an Einfluss gewonnen und profitiert von der Unzufriedenheit vieler Bürger.
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Kein Kurswechsel nach Vorbild der Konkurrenz
Burnham kündigte an, nicht einfach anderen Parteien hinterherzulaufen. Labour solle weder versuchen, die Grünen in Umweltfragen zu übertreffen, noch Reform UK mit einem härteren rechten Kurs Konkurrenz machen.
Stattdessen wolle er klare politische Positionen vertreten und dort mit anderen Parteien zusammenarbeiten, wo gemeinsame Lösungen möglich seien.
Die Debatte erinnert teilweise an Diskussionen in anderen europäischen Ländern über den Umgang mit rechtspopulistischen Parteien. Für Burnham geht es darum, eine eigene politische Linie zu entwickeln, ohne den Einfluss extremer Kräfte weiter zu stärken.
Reform UK unter Nigel Farage bleibt Herausforderung
Ein möglicher Vorteil für Burnham ist, dass auch Reform UK mit eigenen Problemen kämpft. Parteichef Nigel Farage geriet zuletzt wegen umstrittener Spenden und politischer Diskussionen unter Druck.
Farage verzichtete vorübergehend auf sein Parlamentsmandat und will sich bei einer notwendigen Nachwahl erneut bestätigen lassen. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die mögliche Kandidatur des Komikers Jon Harvey, der unter dem Namen Count Binface bekannt ist.
Solche politischen Kuriositäten unterstreichen die ungewöhnliche Situation in Grossbritannien, wo klassische Parteistrukturen zunehmend unter Druck geraten.
Burnham will Vertrauen zurückgewinnen
Bei seiner ersten grossen Rede als Labour-Chef zeigte sich Burnham selbstkritisch. Er erklärte, nicht immer alles richtig gemacht zu haben, aber stets sein Bestes gegeben zu haben.
Nun muss er diesen Anspruch als Regierungschef beweisen. Die Erwartungen sind hoch: Burnham soll Labour stabilisieren, Reform UK zurückdrängen und gleichzeitig das beschädigte Ansehen des Premierministeramts wieder verbessern.
Ob ihm diese doppelte „Mission Impossible“ gelingt, wird eine der zentralen politischen Fragen der kommenden Jahre in Grossbritannien sein.






