Die Abspaltung des Nordamerika-Geschäfts von Holcim und der Börsengang von Amrize in den USA haben bislang nicht den erwarteten Bewertungsschub gebracht. Während Amrize unter dem schwächeren US-Bausektor und hohen Finanzierungskosten leidet, entwickelt sich die ehemalige Mutter Holcim dynamischer und wird inzwischen höher bewertet.
Holcim entwickelt sich besser als Amrize
Mit der Abspaltung des Nordamerika-Geschäfts verfolgte der damalige Holcim-Chef Jan Jenisch das Ziel, Amrize in den USA zu einem höher bewerteten Unternehmen zu machen. Nach Einschätzung von ZKB-Analyst Martin Hüsler ist dieses Szenario bislang nicht eingetreten.
Stattdessen werde Amrize derzeit günstiger bewertet als Holcim. Hüsler führt dies vor allem auf die unterschiedliche operative Entwicklung der beiden Unternehmen zurück. Ursprünglich sei erwartet worden, dass Amrize nach dem US-Listing eine höhere Bewertung als Holcim erhalten würde.
Die Amrize-Aktie wurde vom schwächeren US-Bausektor belastet. Holcim konnte dagegen mit einer starken Entwicklung überzeugen und gehört laut den Analysten zu den besser laufenden europäischen Baustoffkonzernen.
Holcim-CEO Miljan Gutovic konnte laut Hüsler die Erwartungen zuletzt mehrfach übertreffen. Die Quartalsergebnisse lagen jeweils leicht über den Prognosen, zudem wurde die Jahresprognose zuletzt leicht angehoben.
Amrize kämpft mit dem US-Baumarkt
Bei Amrize fällt die Zwischenbilanz dagegen verhaltener aus. Jan Jenisch führt das Unternehmen sowohl als CEO als auch als Präsident des Verwaltungsrats. Laut Hüsler blieb Amrize bei Ergebnissen und Ausblick hinter den Erwartungen zurück.
Auch Vontobel-Analyst Mark Diethelm sieht die Entwicklung anders als ursprünglich erwartet. Bei der Abspaltung sei davon ausgegangen worden, dass Amrize das dynamischere Unternehmen sein würde. Bislang habe sich jedoch Holcim schneller entwickelt und den Markt positiv überrascht.
Bei Holcim rückt dabei insbesondere das Geschäft in Südamerika stärker in den Fokus. Die Region entwickelt sich laut Diethelm gut und ist mittlerweile die profitabelste Region des Konzerns. Auch Deutschland könnte nach mehreren schwierigen Jahren wieder stärker zum Wachstum beitragen.
Amrize steht hingegen vor mehreren Herausforderungen im US-Markt. Das hohe Zinsniveau verteuert Fremdkapital und führt dazu, dass Investitionen verschoben werden. Besonders im Wohnungsbau schwächt dies die Nachfrage.
Hohe Transportkosten setzen Amrize unter Druck
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Unternehmen zeigt sich bei der Preissetzungsmacht. Holcim profitiert in Europa vom politischen und wirtschaftlichen Fokus auf CO₂-Reduktion und saubere Energie. Dadurch kann der Konzern seine Preise besser durchsetzen.
Für Amrize ist eine solche Preiserhöhung derzeit schwieriger. Gleichzeitig sind die Transportkosten laut den Analysten massiv gestiegen – teilweise um 100 bis 200 Prozent. Diese zusätzlichen Kosten lassen sich damit nicht ohne Weiteres über höhere Zementpreise kompensieren.
Auch die US-Politik bringt bislang nicht die erhoffte Unterstützung für den Bausektor. Laut Diethelm sei die Trump-Regierung weniger stark an einer direkten Unterstützung der Bauwirtschaft interessiert als vom Markt teilweise erwartet.
S&P-500-Aufnahme könnte neuen Schub bringen
Ein wichtiger möglicher Impuls für Amrize steht noch aus: die Aufnahme in den US-Leitindex S&P 500. Die zuständige Indexbehörde verfügt dabei über einen Ermessensspielraum. Hüsler rechnet aufgrund der Grösse von Amrize dennoch mit einer Aufnahme.
Der Zeitpunkt ist allerdings offen. Als Vergleich verweist Hüsler auf CRH: Dort dauerte es nach dem Börsengang rund zwei Jahre bis zur Aufnahme in den Index.
Trotz der bisherigen Entwicklung sehen die Analysten weiterhin Chancen für Amrize. Diethelm bezeichnet die Aktie als einen der günstigsten Bautitel in den USA und hält sie auf dem aktuellen Niveau für interessant.
Sollten die US-Zinsen sinken, könnte Amrize zusätzlichen Rückenwind erhalten. Damit könnte sich langfristig auch die ursprüngliche Strategie von Jan Jenisch noch als erfolgreich erweisen – bislang liegt das Unternehmen jedoch hinter den Erwartungen zurück.
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