Weniger Kontrollen – mehr Empörung
Seit Januar 2026 dürfen Kantone bei jedem zehnten Tierhaltungsbetrieb auf die gesetzlich vorgesehenen Grundkontrollen verzichten.
Was als «administrative Vereinfachung» gedacht war, sorgt nun für deutlichen Widerstand in der Bevölkerung.
Eine neue, repräsentative Umfrage zeigt: Die Schweizerinnen und Schweizer wollen genau das Gegenteil – strengere, unangemeldete Kontrollen.
Was der Bundesrat geändert hat
Per 1. Januar 2026 wurde die Praxis der Tierschutzkontrollen angepasst. Nach einem runden Tisch mit Vertreter:innen der Agrarlobby entschied Guy Parmelin, dass Kantone bei 10 % der Betriebe auf die regulären Basiskontrollen verzichten dürfen.
Tierschutz- und Umweltorganisationen waren an diesem Austausch nicht beteiligt.
Gleichzeitig steht auch die kommende Agrarpolitik 2030+ unter dem Leitmotiv «Vereinfachung» – was in der Praxis weniger Kontrollen bedeuten könnte.
Umfrage: Klare Haltung der Bevölkerung
Eine im Februar 2026 durch Demoscope durchgeführte Umfrage im Auftrag von Tier im Fokus zeigt ein deutliches Bild:
- 90 % unterstützen konsequent unangemeldete Tierschutzkontrollen
- 73 % wollen mehr personelle und finanzielle Ressourcen für Kontrollen
- Nur 21 % sind gegen einen Ausbau der Mittel
- Kein relevanter Stadt-Land-Unterschied
«Wenn Betriebe im Voraus wissen, wann kontrolliert wird, können Missstände kurzfristig kaschiert werden», sagt Mediensprecher Tobias Sennhauser. Laut Tier im Fokus sei genau das ein zentrales Problem der aktuellen Praxis.
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Bilder aus dem Emmental sorgen für Aufsehen
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch kürzlich veröffentlichte Aufnahmen aus einem Betrieb in Alchenstorf im Emmental:
- schwer kranke Tiere ohne Behandlung
- tote Ferkel im Stall
- Hinweise auf mangelhafte Betreuung
Besonders heikel: Verantwortlich für den Betrieb sollen zwei Vorstandsmitglieder von Suisseporcs sein.
Diese Bilder heizen die Diskussion um die Wirksamkeit der Kontrollen zusätzlich an.
Protestbrief an den Bundesrat
Als Reaktion hat Tier im Fokus einen Protestbrief an Guy Parmelin verfasst. Die Forderungen:
- Häufigere Kontrollen
- Konsequente Unangemeldetheit
- Mehr Ressourcen für kantonale Veterinärbehörden
Bereits rund 5’500 Personen haben den Brief unterzeichnet.
Warum das Thema politisch brisant wird
Tierschutzkontrollen sind längst kein Nischenthema mehr.
Sie stehen im Zentrum der Agrarpolitik – und zunehmend auch im Fokus der Öffentlichkeit.
Die Umfrage zeigt: Die Bevölkerung ist deutlich weiter als die Politik.
Über Tier im Fokus
Tier im Fokus (TIF) ist eine Schweizer Tierrechtsorganisation. Sie deckt Missstände in der Schweizer Massentierhaltung auf und fördert die vegane Lebensweise. Seit 2025 verfügt TIF als erste Tierrechtsorganisation über einen Sitz in einem Schweizer Parlament, dem Berner Stadtrat.






