Am Morgen des 1. September 1997 verlässt in Zürich ein unscheinbares Fahrzeug den Innenhof der Fraumünsterpost. An Bord: fünf Millionen Franken mehr, als die Insassen je hätten träumen lassen. Innerhalb von nur vier Minuten gelingt fünf jungen Männern einer der spektakulärsten Raubüberfälle in der Geschichte der Schweiz – ein Coup, der später sogar Hollywood-Reife bekommt, weil die Täter ausgerechnet an ihrem eigenen Erfolg scheitern.
Der Fall
An jenem Montag steht im Innenhof der Fraumünsterpost mehr als 70 Millionen Franken bereit, um zur Schweizerischen Nationalbank transportiert zu werden. Über die Sicherheitslücken bei diesem Ablauf weiss ein Postmitarbeiter genau Bescheid – und plaudert in einer Zürcher Bar unvorsichtig darüber. Fünf junge Männer greifen die Information auf und planen monatelang, mit Treffen an ungewöhnlichen Orten, um nicht aufzufliegen.
Am Tattag fahren sie mit einem gestohlenen, als Post-Fahrzeug getarnten Lieferwagen direkt in den gesicherten Innenhof. Der Wachmann lässt sie unbehelligt passieren. Die Bande bedroht die Angestellten, die sich zu Boden legen müssen, und lädt fünf Kisten voller Banknoten in ihr Fahrzeug. Zwei weitere Kisten müssen sie zurücklassen – der Kofferraum ist bereits voll. Dann brausen sie davon. Die gesamte Aktion dauert keine vier Minuten.
Das Skurrile daran
Was diesen Fall so aussergewöhnlich macht, ist nicht nur die schiere Summe, sondern der Kontrast zwischen der Professionalität der Planung und der Naivität danach. Die Täter feiern ihren Erfolg ausgelassen, einer von ihnen versteckt Bargeld in der Babytasche seines Sohnes. Recht schnell werden aus den einstigen Kleinkriminellen in den Medien gefeierte Volkshelden, die dem System eins ausgewischt haben sollen. Sogar ein Autohersteller lässt sich vom Coup zu einer Werbekampagne inspirieren. Ermittlungen und Aufklärung Die Polizei tappt zunächst im Dunkeln: Auf den Überwachungsaufnahmen sind die Täter nicht erkennbar, die Ermittler verfolgen zudem eine falsche Spur beim Fluchtfahrzeug. Der Bandenchef bringt sich jedoch selbst zu Fall – er lässt am Tatort Vorbereitungsfotos liegen, die er zur Planung des Überfalls gemacht hatte. Da er bereits vorbestraft ist, liegen seine Fingerabdrücke im System der Polizei vor. Rund eine Woche nach dem Coup wird er in Mailand verhaftet.
Die weiteren Täter tappen kurz danach in eine klassische Falle: Sie geben in Spanien auffällig viel Geld aus, einer kauft sich sogar bar eine Villa. Innerhalb von wenigen Wochen sind alle Beteiligten identifiziert und festgenommen. Sämtliche Räuber legen ein Geständnis ab und werden zu Haftstrafen von rund fünf Jahren verurteilt.
Stand heute
Der Fraumünsterpost-Raub gilt bis heute als aufgeklärter Fall – die Täterschaft ist bekannt, das Urteil rechtskräftig. Ungeklärt bleibt hingegen der Verbleib eines grossen Teils der Beute: Rund die Hälfte der 53 Millionen Franken ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Einer der Räuber hat Jahre nach seiner Entlassung öffentlich über die Tat gesprochen und dabei betont, dass ihn das Geld letztlich nicht glücklich gemacht habe.
Fazit
Der Jahrhundertraub von Zürich zeigt eindrücklich, wie nah Triumph und Scheitern beieinanderliegen können – vier Minuten für den perfekten Coup, wenige Wochen bis zur vollständigen Aufklärung.






