Australien steht erneut wegen einer umstrittenen Praxis in der Schafhaltung in der Kritik.
Mit einer weltweiten Petition und 500’000 Unterschriften fordert die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN ein Ende der sogenannten Lämmerverstümmelung. Die Aktion erreichte am Montag auch die Schweiz: In Bern wurde die Petition symbolisch an die australische Botschaft übergeben.
Millionen Lämmer betroffen
Jedes Jahr sind in Australien rund zehn Millionen Merinolämmer von der Praxis betroffen, die in der Branche als Mulesing bezeichnet wird.
Dabei werden wenigen Wochen alten Lämmern Haut- und Fleischstücke im Bereich des Hinterteils entfernt, um einem Befall mit Fliegenmaden vorzubeugen. Tierschützer kritisieren seit Jahren, dass der Eingriff oftmals ohne ausreichende Schmerzlinderung durchgeführt wird.
Australien ist derzeit das einzige Land weltweit, in dem diese Praxis weiterhin erlaubt ist.
Internationale Protestaktion
Die Übergabe der Petition in Bern war Teil einer weltweiten Kampagne von VIER PFOTEN.
Zeitgleich fanden ähnliche Aktionen statt in:
- Berlin
- Den Haag
- London
- Sofia
- Washington
Weitere Übergaben sind in Wien und Sydney geplant.
Mit der Aktion fordert die Organisation ein gesetzliches Verbot der Lämmerverstümmelung bis spätestens 2030.
«Ein Risiko für Australiens Ruf»
Rebecca Picallo Gil, verantwortlich für die Wollkampagne von VIER PFOTEN, kritisiert die anhaltende Praxis deutlich.
Nach Angaben der Organisation habe die australische Wollindustrie bereits vor mehr als 20 Jahren angekündigt, die Methode schrittweise abzuschaffen. Dieses Versprechen sei jedoch nie umgesetzt worden.
Stattdessen würden Millionen Tiere weiterhin dem Eingriff ausgesetzt, obwohl laut Tierschutzorganisationen alternative Zucht- und Haltungsmethoden existieren.
🚨 Breaking News direkt aufs Smartphone
Verpasse keine Eilmeldung mehr – jetzt den imTicker WhatsApp-Kanal abonnieren:
👉 imTicker auf WhatsApp abonnieren
Auch Schweizer Unternehmen positionieren sich
Die Kampagne erhält zunehmend Unterstützung aus der Schweiz.
Mehr als 28’000 Personen haben die Petition hierzulande unterzeichnet.
Ausserdem unterstützen mehrere Schweizer Unternehmen die Forderung nach höheren Tierschutzstandards in der Wollproduktion, darunter:
- NILE
- Mammut
- Calida
Die Unternehmen setzen nach eigenen Angaben verstärkt auf zertifizierte mulesingfreie Wolle in ihren Lieferketten.
Symbolischer Protest in Bern
Um auf das Thema aufmerksam zu machen, zog VIER PFOTEN mit einer lebensgrossen Schaffigur durch die Berner Innenstadt.
Die symbolische Prozession führte vom Helvetiaplatz bis zur australischen Botschaft.
Ziel war es, Passantinnen und Passanten über die Hintergründe der Kampagne zu informieren und den politischen Druck auf Australien zu erhöhen.
20 Jahre nach dem Versprechen
Besonders kritisch sehen Tierschützer die Entwicklung seit 2004.
Damals hatte die australische Wollindustrie angekündigt, die Praxis bis 2010 zu beenden. Fünf Jahre später wurde dieses Versprechen jedoch zurückgezogen.
Laut VIER PFOTEN mussten seither schätzungsweise mehr als 140 Millionen Lämmer die Prozedur durchlaufen.
Im Jahr 2024 veröffentlichte die Organisation den Bericht «The Broken Promise», der die Entwicklung dokumentiert.
Immer mehr Modemarken fordern Veränderungen
Nach Angaben von VIER PFOTEN haben sich inzwischen mehr als 340 Modemarken öffentlich zu mulesingfreier Wolle bekannt.
Fast 150 internationale Unternehmen sollen zudem eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet haben.
Zu den genannten Unternehmen zählen unter anderem:
- Hugo Boss
- Adidas
- Mammut
- Nikin
Die Unterzeichner fordern ein Ende der Lämmerverstümmelung bis spätestens 2030.
Mit einer halben Million Unterschriften wächst der internationale Druck auf Australien weiter.
Während Tierschutzorganisationen ein gesetzliches Verbot fordern, steht die australische Wollindustrie vor der Herausforderung, praktikable Alternativen flächendeckend umzusetzen.






